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Lernzettel · Ernährung & Flüssigkeitshaushalt

Mangelernährung & Expertenstandard Ernährungsmanagement

Screening, Assessment und Maßnahmen gegen Mangelernährung nach dem DNQP-Expertenstandard zur oralen Ernährung.

CE 02 · Bewegung & SelbstversorgungErnährung & Flüssigkeitshaushalt

Definition

Mangelernährung ist ein Zustand, bei dem die Versorgung mit Energie, Eiweiß oder anderen Nährstoffen über längere Zeit nicht ausreicht. Folge sind messbare Veränderungen von Körperzusammensetzung (v. a. Verlust an Muskelmasse) und Funktion. Nach den GLIM-Kriterien braucht es ein phänotypisches Merkmal (ungewollter Gewichtsverlust, niedriger BMI, verminderte Muskelmasse) und ein ätiologisches Merkmal (geringe Aufnahme, Erkrankung/Entzündung).

Warnzeichen

  • ungewollter Gewichtsverlust: > 5 % in 3 Monaten oder > 10 % in 6 Monaten
  • BMI < 20 kg/m² (ab ca. 70 Jahren < 22 kg/m²)
  • deutlich verringerte Essmenge (z. B. regelmäßig weniger als die Hälfte der Portion)
  • zu weite Kleidung, sichtbarer Muskelschwund, Kraftverlust, Ödeme durch Eiweißmangel

Ursachen

Kau- und Schluckprobleme, schlechter Zahnstatus, Appetitlosigkeit, Geschmacks- und Geruchsverlust, Demenz, Depression, Schmerzen, Übelkeit, Medikamente, Einsamkeit, Armut, fehlende Hilfe beim Einkaufen und Zubereiten, erhöhter Bedarf (Wunden, Fieber, Tumor).

Folgen

Schwäche, Stürze, Dekubitus, schlechte Wundheilung, Infektanfälligkeit, Sarkopenie, Gebrechlichkeit (Frailty), längere Liegezeiten, höhere Sterblichkeit.

DNQP-Expertenstandard Ernährungsmanagement (orale Ernährung)

  1. Screening bei Aufnahme und in festgelegten Abständen: Gibt es Hinweise auf ein Risiko? Instrumente z. B. NRS 2002 (Klinik), MUST (ambulant), MNA-SF (Ältere), PEMU (Pflegeheim).
  2. Assessment bei positivem Screening: Ursachen, Vorlieben, Ess- und Trinkprotokoll (meist 3–5 Tage), Gewichtsverlauf.
  3. Planung individueller Maßnahmen mit der Person und im multiprofessionellen Team (Ärztin/Arzt, Diätassistenz, Logopädie, Küche).
  4. Umsetzung: angenehme Essatmosphäre, Wunschkost, Zwischenmahlzeiten, Fingerfood, Anreicherung (Sahne, Butter, Eiweißpulver), Trinknahrung nach Verordnung, Hilfsmittel, Unterstützung beim Essen.
  5. Information und Beratung der Betroffenen und Angehörigen.
  6. Evaluation: regelmäßige Gewichtskontrolle, Anpassung des Plans.

Bedarf (Faustregeln)

  • Energie: ca. 30 kcal/kg Körpergewicht/Tag (bei Krankheit oder Untergewicht ggf. mehr)
  • Eiweiß: ältere Menschen ca. 1,0 g/kg/Tag, bei Krankheit 1,2–1,5 g/kg
  • Flüssigkeit: ca. 30 ml/kg/Tag, mindestens etwa 1,5 l
Merke: Auch übergewichtige Menschen können mangelernährt sein – der Gewichtsverlust zählt, nicht nur der BMI. Ein Screening ist keine Diagnose, sondern der Startpunkt für das Assessment.

Besonderheiten bei Demenz

Menschen mit Demenz vergessen zu essen, erkennen Speisen oder Besteck nicht mehr oder sind zu unruhig, um am Tisch zu bleiben. Hilfreich sind Fingerfood und „Eat by walking“ (Häppchen an Orten, an denen die Person vorbeikommt), kontrastreiches Geschirr (z. B. farbiger Teller auf hellem Tisch), wenig Ablenkung, vertraute Rituale und Tischgebete sowie das Vormachen von Bewegungen. Süßes wird lange gern gegessen – Speisen dürfen deshalb süßer abgeschmeckt werden. Hunger kann sich durch Unruhe zeigen.

Typische Prüfungsfallen

  • Screening und Assessment verwechseln.
  • Trinknahrung ist kein Ersatz für Zuwendung beim Essen.
  • Diät-Einschränkungen im hohen Alter kritisch prüfen (oft lockern, um Essfreude zu fördern).
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