Lernzettel · Kommunikation & Gesprächsführung
Kommunikationsmodelle: Watzlawick und Schulz von Thun
Die fünf Axiome nach Watzlawick und das Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun – kompakt erklärt und auf typische Pflegesituationen übertragen.
Warum Kommunikationsmodelle?
Pflege ist Beziehungsarbeit, und fast jede pflegerische Handlung ist zugleich ein kommunikativer Akt. Modelle helfen dir, Missverständnisse zu erkennen, zu benennen und gezielt aufzulösen. In der Prüfung wirst du meist eine Fallsituation erhalten und sollst sie mit einem Modell analysieren.
Paul Watzlawick – fünf Axiome
- 1. Man kann nicht nicht kommunizieren. Auch Schweigen, Wegdrehen oder ein Blick auf die Uhr sendet eine Botschaft. Beispiel: Eine Bewohnerin schweigt bei der Visite – das kann Angst, Erschöpfung oder Protest bedeuten.
- 2. Inhalts- und Beziehungsaspekt. Jede Mitteilung transportiert eine Sachinformation und gleichzeitig eine Aussage darüber, wie die Beteiligten zueinander stehen. Der Beziehungsaspekt bestimmt, wie der Inhalt verstanden wird.
- 3. Interpunktion. Gesprächspartner gliedern den Ablauf unterschiedlich in „Ursache“ und „Wirkung“. Jeder sieht sein Verhalten als Reaktion auf das des anderen (Teufelskreis: „Ich klingle, weil keiner kommt“ – „Ich komme später, weil Sie ständig klingeln“).
- 4. Digitale und analoge Kommunikation. Digital = Worte, Zahlen, eindeutig; analog = Mimik, Gestik, Tonfall, mehrdeutig, trägt vor allem die Beziehungsbotschaft.
- 5. Symmetrisch oder komplementär. Symmetrisch: Partner auf Augenhöhe, gleichartiges Verhalten. Komplementär: Verhalten ergänzt sich, oft mit Gefälle (Pflegende – Pflegeempfänger, Expertin – Laie).
Friedemann Schulz von Thun – vier Seiten einer Nachricht
Jede Äußerung hat vier Seiten, und der Empfänger hört mit „vier Ohren“:
- Sachinhalt – worüber informiere ich? (Daten, Fakten)
- Selbstkundgabe/Selbstoffenbarung – was gebe ich von mir preis? (Gefühle, Bedürfnisse)
- Beziehung – was halte ich von dir, wie stehen wir zueinander?
- Appell – wozu möchte ich dich veranlassen?
Beispiel: Ein Patient sagt um 22 Uhr: „Das Licht im Flur ist ja immer noch an.“ Sache: Licht brennt. Selbstkundgabe: Ich kann nicht schlafen, ich bin gereizt. Beziehung: Ihr achtet nicht auf uns. Appell: Machen Sie das Licht aus.
Missverständnisse entstehen, wenn Sender und Empfänger unterschiedliche Seiten betonen. Wer vorwiegend mit dem Beziehungsohr hört, fühlt sich schnell angegriffen.
Weitere Kommunikationsstörungen
- Sinnesbeeinträchtigungen (Hören, Sehen), Sprachbarrieren, Aphasie, kognitive Einschränkungen
- Fachjargon, zu schnelles Sprechen, Störungen im Umfeld (Lärm, fehlende Privatsphäre)
- Kommunikationssperren: Bagatellisieren, ungefragte Ratschläge, Moralisieren, Ausfragen, Ironie, Drohen
- Inkongruenz: Worte und Körpersprache passen nicht zusammen („Ich habe Zeit“ – mit Blick zur Tür)
Typische Prüfungsfallen
- „Selbstoffenbarung“ nicht mit „Appell“ verwechseln: Die Selbstoffenbarung sagt etwas über den Sender, der Appell will beim Empfänger etwas bewirken.
- Analog ist nicht gleich „altmodisch“: gemeint ist die nonverbale, bildhafte Kommunikation.
- Komplementär bedeutet nicht automatisch „schlecht“ – problematisch wird es erst bei starrer Über-/Unterordnung.
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