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Lernzettel · Gefäße: Hypertonie, AVK, Thrombose

Thrombose und Thromboseprophylaxe (inkl. MTPS)

Virchow-Trias, Risikoeinschätzung, Zeichen der tiefen Venenthrombose, Lungenembolie und alle Prophylaxemaßnahmen.

CE 05 · Kurative Prozesse & PatientensicherheitGefäße: Hypertonie, AVK, Thrombose

Thrombose und Virchow-Trias

Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel in einem Gefäß, am häufigsten in den tiefen Bein- und Beckenvenen (tiefe Venenthrombose, TVT). Nach Virchow wirken drei Faktoren zusammen:

  • Gefäßwandschäden: Operation, Trauma, Entzündung, Venenkatheter
  • Verlangsamte Strömung: Immobilität, Lähmung, Gips, lange Reisen, Herzinsuffizienz, Varizen
  • Veränderte Blutzusammensetzung (erhöhte Gerinnbarkeit): Flüssigkeitsmangel, Tumorerkrankung, Schwangerschaft/Wochenbett, Östrogene, Rauchen, angeborene Gerinnungsstörungen

Venöser Rückstrom

Das Blut gelangt gegen die Schwerkraft zum Herzen durch Muskelpumpe (v. a. Wadenmuskulatur), Venenklappen (verhindern Rückfluss), Gelenkpumpe (Sprunggelenk), Sogwirkung der Atmung und des Herzens sowie die Pulsation benachbarter Arterien. Fällt die Bewegung weg, staut sich das Blut.

Symptome der TVT

Oft wenig eindeutig: Schwellung und Umfangsdifferenz des Beins, Schwere- und Spannungsgefühl, ziehender Schmerz (besser beim Hochlagern), Überwärmung, glänzende, bläulich verfärbte Haut, Druckschmerz in der Wade oder Fußsohle. Klinische Tests (z. B. Payr, Homans) sind unsicher. Diagnose: Wells-Score, D-Dimere, Kompressionssonografie.

Komplikationen

  • Lungenembolie: plötzliche Atemnot, Tachypnoe, Tachykardie, atemabhängiger Brustschmerz, Husten, Angst, evtl. Schock. Notfall: Oberkörper hoch, nicht mobilisieren, Arzt, O2 nach Anordnung, Monitoring.
  • Postthrombotisches Syndrom: zerstörte Venenklappen → chronische venöse Insuffizienz bis Ulcus cruris venosum.

Therapie der TVT

Antikoagulation (zunächst Heparin bzw. direkt ein DOAK, danach mindestens drei Monate), Kompressionstherapie bei Beschwerden, frühe Mobilisation unter wirksamer Antikoagulation. Strenge Bettruhe ist heute in der Regel nicht mehr nötig.

Risikoeinschätzung

Das Thromboserisiko setzt sich aus expositionellen (OP, Immobilisation, akute Erkrankung) und dispositionellen Faktoren (Alter, frühere Thrombose, Tumor, Übergewicht, Thrombophilie) zusammen und wird als niedrig, mittel oder hoch eingestuft. Hilfsmittel sind Skalen (z. B. nach Autar oder Frowein); die Einschätzung wird bei Veränderungen wiederholt.

Maßnahmen der Thromboseprophylaxe

  • Basismaßnahmen (für alle Gefährdeten): Frühmobilisation, Bewegungsübungen im Bett (Fußkreisen, Zehen anziehen/strecken, Pedalieren, Fußsohle gegen Widerstand drücken), Anleitung zur Eigenaktivität, ausreichende Flüssigkeit, Atemübungen (Sogwirkung), keine Knierolle bzw. Druck in der Kniekehle.
  • Physikalische Maßnahmen: medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS), intermittierende pneumatische Kompression (IPK) – v. a. wenn Medikamente kontraindiziert sind; Ausstreichen der Beine; Hochlagerung um ca. 20° bei liegenden Patienten.
  • Medikamentös nach ärztlicher Anordnung: niedermolekulares Heparin s. c. (z. B. Enoxaparin), Fondaparinux, bei bestimmten Eingriffen DOAK.

MTPS korrekt anwenden

  • Nur bei liegenden bzw. überwiegend immobilen Menschen sinnvoll; bei Mobilen ist die Wirkung fraglich.
  • Größe durch Messen von Fessel-, Waden- (und ggf. Oberschenkel-)Umfang bestimmen, am besten morgens.
  • Im Liegen anziehen, faltenfrei, Fersenteil korrekt; täglich ausziehen, Haut inspizieren und pflegen, regelmäßig wechseln.
  • Kontraindikationen: pAVK, dekompensierte Herzinsuffizienz, ausgeprägte Ödeme bzw. Lungenödem, schwere Neuropathie, Hautinfektionen/-schäden, Phlegmasia coerulea dolens, Unverträglichkeit des Materials.
Merke: Bewegung ist die beste Prophylaxe. MTPS und Heparin ergänzen sie, ersetzen sie aber nicht.

Typische Prüfungsfallen

  • Bei frischer TVT keine Beinmassage und kein Ausstreichen (Emboliegefahr).
  • MTPS nicht bei pAVK.
  • Thromboserisiko auch bei internistischen Erkrankungen (Herzinsuffizienz, Pneumonie, Exazerbation einer COPD) beachten.
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