Lernzettel · Wunden & Wundmanagement
Wundarten, Wundheilung und Wundbeurteilung
Wie Wunden eingeteilt werden, in welchen Phasen sie heilen, was die Heilung stört und wie eine Wunde fachgerecht beschrieben und dokumentiert wird.
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Einteilung von Wunden
- Nach Entstehung: mechanisch (Schnitt, Stich, Riss, Quetschung, Platzwunde, Schürfung, Biss, Schuss), thermisch (Verbrennung, Erfrierung), chemisch (Säuren, Laugen), strahlenbedingt; iatrogen/chirurgisch (OP-Wunde, Punktion).
- Nach Keimbesiedelung: aseptisch (keimarm, z. B. frische OP-Wunde), kontaminiert, kolonisiert, infiziert (septisch).
- Nach Verlauf: akut oder chronisch. Als chronisch gilt eine Wunde, die trotz fachgerechter Behandlung innerhalb von etwa 4–12 Wochen keine Heilungstendenz zeigt. Die häufigsten sind Dekubitus, Ulcus cruris und diabetisches Fußulkus.
Arten der Wundheilung
- Primäre Heilung (per primam intentionem): glatte, eng aneinanderliegende Wundränder, z. B. genähte OP-Wunde – schnell, kleine Narbe.
- Sekundäre Heilung (per secundam intentionem): klaffende, infizierte oder Gewebedefekt-Wunden füllen sich mit Granulationsgewebe von unten auf – langwierig, größere Narbe.
- Verzögerte Primärnaht: Wunde wird zunächst offen gereinigt und erst nach einigen Tagen verschlossen.
Phasen der Wundheilung
- Exsudations-/Entzündungsphase (ca. Tag 1–4): Blutstillung, Gerinnung, Einwandern von Abwehrzellen, die Keime und Zelltrümmer beseitigen. Typisch: Rötung, Schwellung, Exsudat.
- Proliferations-/Granulationsphase (ca. Tag 2–14): Fibroblasten und neue Kapillaren bilden feuchtes, rotes, gekörntes Granulationsgewebe.
- Epithelisierungs-/Regenerationsphase (ab ca. Tag 4–21, Narbenumbau über Monate): Epithel wächst vom Rand her ein, die Narbe festigt sich und blasst ab.
Die Phasen überlappen; bei chronischen Wunden „hängt“ die Heilung häufig in der Entzündungsphase fest.
Störfaktoren
- Lokal: Infektion, Nekrosen und Beläge, Fremdkörper, Druck und Scherkräfte, Minderdurchblutung, Ödem, Austrocknung, Auskühlung beim Verbandwechsel, zu häufige Verbandwechsel.
- Systemisch: hohes Alter, Diabetes mellitus, pAVK, chronisch-venöse Insuffizienz, Mangelernährung (Eiweiß, Zink, Vitamin C), Anämie, Rauchen, Immunschwäche, Medikamente wie Glukokortikoide oder Zytostatika.
Wundbeurteilung und Dokumentation
Eine gute Wunddokumentation ist so genau, dass eine andere Pflegefachperson die Wunde vor Augen hat. Bewährt hat sich folgende Reihenfolge:
- Wundart/Ursache, Lokalisation, Wunddauer, Rezidive
- Größe: Länge × Breite × Tiefe in cm (Länge in Kopf-Fuß-Richtung), Taschen und Unterminierungen nach dem Uhrzeigerprinzip (12 Uhr = kopfwärts)
- Wundgrund: Anteil von Nekrose (schwarz), Fibrinbelag (gelb), Granulation (rot), Epithel (rosa) in Prozent
- Exsudat: Menge, Farbe, Konsistenz (serös, fibrinös, blutig, eitrig), Geruch
- Wundrand (mazeriert, unterminiert, wulstig, gerötet) und Wundumgebung (Ekzem, Ödem, Hyperkeratose)
- Infektzeichen, Schmerz (Skala), Einschränkungen im Alltag
- Fotodokumentation mit Lineal, Datum und Einverständnis, möglichst gleiche Bedingungen
Merke: Die klassischen Entzündungszeichen lauten Rubor, Calor, Dolor, Tumor und Functio laesa. Bei älteren oder immungeschwächten Menschen können sie nur schwach ausgeprägt sein.
Typische Prüfungsfallen
- Primär heilende OP-Wunden sind nicht „chronisch“, auch wenn sie länger brauchen – entscheidend ist die fehlende Heilungstendenz.
- Gelber Belag ist Fibrin, nicht automatisch Eiter.
- Die Wundtiefe wird mit sterilem Watteträger oder Sonde gemessen, nicht geschätzt.
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