Lernzettel · Bewegungsapparat: Fraktur, TEP, Arthrose, Amputation
Frakturen, Gips und Kompartmentsyndrom
Frakturzeichen, Behandlungsprinzipien, Pflege bei Gips und Kunststoffcast sowie die wichtigsten Komplikationen.
Definition und Einteilung
Eine Fraktur ist eine Unterbrechung der Kontinuität eines Knochens. Man unterscheidet traumatische Frakturen (direkte oder indirekte Gewalt), pathologische Frakturen bei vorgeschädigtem Knochen (Osteoporose, Metastasen) und Ermüdungsbrüche. Weitere Einteilungen: geschlossen oder offen (Haut verletzt), vollständig oder unvollständig (z. B. Grünholzfraktur bei Kindern), mit oder ohne Verschiebung (Dislokation).
Frakturzeichen
- Sicher: Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit, Knochenreiben (Krepitation), sichtbare Knochenenden bei offener Fraktur.
- Unsicher: Schmerz, Schwellung, Hämatom, Überwärmung, eingeschränkte Funktion (Functio laesa).
Die Diagnose wird durch Röntgen in zwei Ebenen gesichert, bei komplexen Brüchen per CT.
Behandlung – die drei R
- Reposition – Einrichten der Fragmente
- Retention – Ruhigstellung, konservativ (Gips, Cast, Schiene, Orthese) oder operativ (Osteosynthese mit Platte, Schrauben, Marknagel, Kirschner-Drähten, Fixateur externe; Gelenkersatz)
- Rehabilitation – Wiederherstellung der Funktion durch Physiotherapie und Mobilisation
Pflege bei Gips und Kunststoffcast
- Durchblutung, Motorik, Sensibilität (DMS) der Finger bzw. Zehen regelmäßig prüfen: Farbe, Temperatur, Rekapillarisierung, Beweglichkeit, Kribbeln oder Taubheit.
- Extremität in den ersten 24–48 Stunden hochlagern, Kühlung nach Anordnung, Finger/Zehen aktiv bewegen.
- Frischen Gips nicht abdecken und nicht auf harte Kanten legen, damit er gleichmäßig trocknet und keine Dellen entstehen; Kunststoffcast härtet in Minuten aus.
- Nie mit Gegenständen unter den Verband kratzen; Ränder auf Druckstellen kontrollieren.
- Gips trocken halten; auch Kunststoffcasts mit Polsterung nicht nass werden lassen (Mazeration).
- Thromboseprophylaxe bei Ruhigstellung der unteren Extremität nach Anordnung.
Wichtige Komplikationen
- Kompartmentsyndrom: Druckanstieg in einer geschlossenen Muskelloge, der die Durchblutung abdrückt. Leitsymptom ist ein unverhältnismäßig starker Schmerz, der sich bei passiver Dehnung der Muskeln verstärkt; später Spannung, Gefühlsstörungen, Lähmung. Pulse sind oft noch lange tastbar! Notfall – Entlastung, ggf. Fasziotomie.
- Gefäß- und Nervenverletzungen, Infektion (besonders bei offener Fraktur), Fettembolie bei Brüchen großer Röhrenknochen.
- Thrombose und Lungenembolie bei Immobilität.
- Pseudarthrose (ausbleibende knöcherne Heilung) und komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS).
Kinder
Kindliche Knochen sind elastischer und haben eine dicke Knochenhaut – typisch sind Grünholz- und Wulstbrüche. Verletzungen der Wachstumsfugen können zu Fehlwachstum führen. Unterarmbrüche (distaler Radius) sind bei Kindern besonders häufig.
Typische Prüfungsfallen
- Ein tastbarer Puls schließt ein Kompartmentsyndrom nicht aus.
- Schmerz und Schwellung sind nur unsichere Frakturzeichen.
- DMS steht für Durchblutung, Motorik, Sensibilität – nicht für „Druck, Muskel, Schwellung“.
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