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Lernzettel · Notfallmanagement & Reanimation

Notfälle erkennen: ABCDE, SBAR, Notfallausrüstung

Strukturierte Ersteinschätzung nach ABCDE, Übergabe mit SBAR, Lagerungen und Notfallausrüstung auf Station und im Pflegeheim.

CE 06 · Akutsituationen & NotfälleNotfallmanagement & Reanimation

Warum ein festes Schema?

In einer Notfallsituation steigt der Stress, und man übersieht leicht das Entscheidende. Das ABCDE-Schema gibt eine feste Reihenfolge vor: Es wird immer das zuerst untersucht und behandelt, was am schnellsten zum Tod führt. Erst wenn ein Problem behoben ist, geht man zum nächsten Buchstaben weiter. Nach jeder Maßnahme und bei jeder Verschlechterung beginnt man wieder bei A.

Das ABCDE-Schema

  • A – Airway (Atemweg): Spricht die Person? Gurgelnde, schnarchende oder pfeifende Geräusche? Fremdkörper, Erbrochenes, zurückgefallene Zunge? Maßnahmen: Mund inspizieren, Kopf überstrecken und Kinn anheben, absaugen, Seitenlage.
  • B – Breathing (Atmung): Atemfrequenz, Atemtiefe, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Zyanose, SpO2, seitengleiche Thoraxbewegung. Maßnahmen: Oberkörper hoch, Sauerstoff nach Anordnung bzw. nach Notfallstandard, ggf. Beutel-Masken-Beatmung.
  • C – Circulation (Kreislauf): Puls (Frequenz, Qualität), Blutdruck, Rekapillarisierungszeit (normal unter 2 Sekunden), Hautfarbe und -temperatur, sichtbare Blutungen, Urinausscheidung. Maßnahmen: Blutung stillen, Beine hoch bei Volumenmangel, venösen Zugang vorbereiten, EKG-Monitoring.
  • D – Disability (neurologischer Status): Bewusstseinslage (z. B. AVPU oder GCS), Pupillen, Seitenzeichen, Blutzucker. Jede unklare Bewusstseinsstörung braucht eine BZ-Messung.
  • E – Exposure/Environment (Entkleiden, Umfeld): Ganzkörperinspektion (Verletzungen, Hautausschlag, Ödeme, Einstichstellen), Temperatur messen, vor Auskühlung schützen, Hinweise im Umfeld (Tablettenpackungen, Sturzspuren).

Vor dem ABCDE steht der Ersteindruck in wenigen Sekunden: Reagiert die Person? Atmet sie normal? Wenn nicht: Notruf/Reanimationsalarm und Herzdruckmassage.

Hilfe holen und Informationen weitergeben: SBAR

Die Übergabe an Ärztin, Notfallteam oder Rettungsdienst soll kurz und vollständig sein. SBAR ordnet die Informationen:

  • S – Situation: Wer ruft an, um wen geht es, was ist das akute Problem?
  • B – Background: relevante Vorgeschichte, Diagnosen, Medikamente, Patientenverfügung/Therapiebegrenzung.
  • A – Assessment: aktuelle Werte und die eigene Einschätzung („Ich halte die Lage für bedrohlich“).
  • R – Recommendation/Request: was konkret gebraucht wird (sofort kommen, Anordnung, Verlegung).

Lagerungen im Notfall

  • Bewusstlos mit normaler Atmung: stabile Seitenlage, Atmung fortlaufend kontrollieren.
  • Atemnot, Herzinsuffizienz, kardiogener Schock: Oberkörper hoch, Beine tief.
  • Volumenmangel (Blutung, Dehydratation): flache Rückenlage, Beine anheben.
  • Akutes Abdomen: Rückenlage mit Knierolle zur Entlastung der Bauchdecke.
  • Kreislaufstillstand: flach auf harter Unterlage (Reanimationsbrett, Bett-CPR-Funktion).

Notfallausrüstung

Notfallwagen bzw. Notfallkoffer werden nach einer festen Checkliste bestückt und regelmäßig sowie nach jedem Einsatz kontrolliert (Vollständigkeit, Verfallsdaten, Funktion von Absaugung, Defibrillator/AED und Sauerstoff). Typischer Inhalt: Beatmungsbeutel mit Masken verschiedener Größen, Guedel- und Wendeltuben, Absaugkatheter, Sauerstoff, Material für Venenzugänge und Infusionen, Notfallmedikamente (z. B. Adrenalin, Amiodaron, Glukose 40 %), Blutzuckermessgerät, Handschuhe. In der stationären Langzeitpflege ist häufig nur ein AED, eine Absaugpumpe und Sauerstoff vorhanden – umso wichtiger ist ein schneller Notruf 112.

Merke: Erst Eigenschutz, dann Hilfe holen, dann ABCDE. Bei jeder Verschlechterung neu mit A beginnen. Vor dem Notruf in der Langzeitpflege kurz prüfen, ob eine Patientenverfügung oder ein dokumentierter Behandlungsverzicht vorliegt – aber im Zweifel gilt: Leben retten.

Notfälle im Alter und in der Langzeitpflege

Ältere Menschen zeigen Notfälle oft untypisch: Herzinfarkt ohne Brustschmerz, Pneumonie ohne Fieber, Hypoglykämie als plötzliche Verwirrtheit. Eine akute Wesensänderung ist immer ein Warnsignal. Häufige Notfälle sind Stürze, Aspiration, Exsikkose, Infektionen und Entgleisungen des Blutzuckers.

Typische Prüfungsfallen

  • Der Blutzucker gehört in den D-Teil – er wird bei Bewusstseinsstörung nie vergessen.
  • Schocklage (Beine hoch) nicht beim kardiogenen Schock und nicht bei Atemnot.
  • SBAR: Das „R“ ist eine klare Bitte, keine Wiederholung der Werte.
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