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Lernzettel · Diabetische Notfälle

Hypoglykämie – erkennen und handeln

Ursachen, Warnzeichen und Sofortmaßnahmen bei Unterzuckerung – mit den Besonderheiten bei älteren Menschen und Menschen mit Demenz.

CE 06 · Akutsituationen & NotfälleDiabetische Notfälle

Definition

Von einer Hypoglykämie spricht man bei Menschen mit Diabetes ab einem Blutzucker unter 70 mg/dl (entspricht 3,9 mmol/l). Als schwer gilt die Unterzuckerung, wenn die betroffene Person sich nicht mehr selbst helfen kann und fremde Hilfe braucht – unabhängig vom gemessenen Wert. Werte unter 54 mg/dl (3,0 mmol/l) gelten als klinisch bedeutsam.

Ursachen

  • zu viel Insulin oder insulinotrope Tabletten (v. a. Sulfonylharnstoffe wie Glibenclamid, Glimepirid)
  • ausgelassene oder zu kleine Mahlzeiten, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit
  • ungewohnte körperliche Aktivität
  • Alkohol (hemmt die Zuckerneubildung in der Leber)
  • nachlassende Nierenfunktion (Medikamente wirken länger), Gewichtsabnahme
  • Fehler bei der Insulingabe (Verwechslung, falsche Einheit, Spritzen in Lipohypertrophien und danach in gesunde Haut)

Symptome

Adrenerge (vegetative) Warnzeichen: Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Blässe, Heißhunger, Unruhe, Angst.
Neuroglukopenische Zeichen (Zuckermangel im Gehirn): Konzentrationsstörung, Kopfschmerz, Sehstörungen, Sprachstörung, Verwirrtheit, auffälliges Verhalten (aggressiv, albern), Lähmungen, Krampfanfall, Bewusstlosigkeit.

Besonderheiten im Alter und bei Demenz

  • Warnzeichen sind abgeschwächt oder fehlen (Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung), z. B. bei langer Diabetesdauer oder unter Betablockern.
  • Die Unterzuckerung zeigt sich oft als plötzliche Verwirrtheit, Unruhe, Aggressivität, Sturz oder Schläfrigkeit – leicht als „Verschlechterung der Demenz“ oder Delir fehlzudeuten.
  • Menschen mit Demenz können Symptome nicht benennen, vergessen Mahlzeiten oder lehnen Essen ab.
  • Unterzuckerungen unter Sulfonylharnstoffen können über viele Stunden anhalten und wiederkehren.
  • Wiederholte Hypoglykämien erhöhen das Risiko für Stürze, Herzrhythmusstörungen und kognitiven Abbau. Deshalb sind die Therapieziele im Alter weniger streng (HbA1c häufig 7,0–8,0 % oder höher, je nach Gesundheitszustand).

Sofortmaßnahmen

Person wach und kann schlucken:

  1. Blutzucker messen (wenn ohne Zeitverlust möglich – im Zweifel sofort behandeln).
  2. 15–20 g schnell wirksame Kohlenhydrate: Traubenzucker, Fruchtsaft oder zuckerhaltige Limonade (kein Light-Getränk, keine Schokolade – Fett verzögert die Aufnahme).
  3. Nach etwa 15 Minuten erneut messen, bei weiterhin niedrigen Werten wiederholen.
  4. Danach langsam wirksame Kohlenhydrate (Brot, Banane), um einen erneuten Abfall zu verhindern.
  5. Ursache klären, Arzt informieren, dokumentieren, Therapie anpassen lassen.

Person bewusstlos oder kann nicht sicher schlucken:

  1. Nichts in den Mund geben (Aspirationsgefahr), stabile Seitenlage, Atmung kontrollieren.
  2. Notruf 112 bzw. Arzt; Glukagon nach Verordnung (Nasenpulver oder Injektion).
  3. Ärztlich: Glukose i.v. (z. B. Glukose 20–40 %), danach Glukoseinfusion und engmaschige Kontrollen.
  4. Bei Sulfonylharnstoff-Hypoglykämie stationäre Überwachung, da Rückfälle drohen.
Merke: Jede unklare Verhaltensänderung bei einem Menschen mit Diabetes ist so lange eine Hypoglykämie, bis das Gegenteil bewiesen ist – also immer Blutzucker messen. Glukagon wirkt bei leeren Glykogenspeichern (Alkohol, Fasten, Kachexie) schlecht.

Prävention in der Langzeitpflege

  • Mahlzeiten und Insulingabe abstimmen; bei Nahrungsverweigerung vor dem Spritzen Rücksprache (ggf. Insulin nach dem Essen).
  • Traubenzucker griffbereit, Hypoglykämie-Plan im Notfallordner.
  • Spätmahlzeit bei nächtlichen Unterzuckerungen, Spritzstellen wechseln und kontrollieren.
  • Medikamentenplan regelmäßig mit dem Hausarzt prüfen (z. B. Sulfonylharnstoffe absetzen).

Typische Prüfungsfallen

  • Schokolade ist kein gutes Notfallmittel.
  • Bewusstlosen nie Saft einflößen.
  • Nach Normalisierung nicht vergessen: langsame Kohlenhydrate und erneute Kontrolle.
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