Lernzettel · Notfälle bei Kindern & Vergiftungen
Kindernotfälle: Reanimation, Ertrinken, Pseudokrupp, Fieberkrampf
Was bei Kindern anders ist: Kinderreanimation, Beinahe-Ertrinken, Pseudokrupp vs. Epiglottitis und der Fieberkrampf – plus Begleitung der Eltern.
Warum Kinder anders sind
Bei Kindern ist ein Kreislaufstillstand meist Folge eines Sauerstoffmangels (Atemwegsverlegung, Ertrinken, Infekt), nicht eines primären Herzproblems. Deshalb steht die Beatmung am Anfang. Kinder kompensieren lange gut und verschlechtern sich dann plötzlich – eine Bradykardie ist ein spätes Alarmzeichen.
Kinderreanimation (PBLS)
- Nicht ansprechbar, keine normale Atmung: Atemweg öffnen (Säugling: Kopf in Neutralposition; Kind: leicht überstrecken).
- 5 initiale Beatmungen (Säugling: Mund über Mund und Nase).
- Keine Lebenszeichen: 15 Kompressionen : 2 Beatmungen, Frequenz 100–120/min, Drucktiefe mindestens ein Drittel des Brustkorbdurchmessers (Säugling ca. 4 cm, Kind ca. 5 cm).
- Säugling: zwei Daumen mit umfassenden Händen oder zwei Finger; größeres Kind: ein oder zwei Handballen.
- Einzelhelfer ohne Telefon: zuerst etwa 1 Minute reanimieren, dann Notruf; mit Mobiltelefon sofort mit Freisprechfunktion 112 wählen.
- AED auch bei Kindern einsetzen, möglichst mit Kinderelektroden bzw. Kindermodus.
- Laien, die nur die Erwachsenenreanimation gelernt haben, dürfen diese anwenden – Nichtstun ist schlimmer.
Beinahe-Ertrinken
Kleinkinder ertrinken lautlos und schnell, häufig in Gartenteichen, Pools und Badewannen. Folge des Untertauchens ist eine Hypoxie, oft verbunden mit Unterkühlung.
- Eigenschutz bei der Rettung, Kind horizontal aus dem Wasser bergen.
- Kein Versuch, Wasser aus der Lunge zu „schütteln“ – sofort beatmen (5 Initialbeatmungen) und ggf. reanimieren.
- Nasse Kleidung entfernen, vor Wärmeverlust schützen; Erbrechen ist häufig → Absaugen, Seitenlage bei erhaltener Atmung.
- Auch scheinbar erholte Kinder müssen im Krankenhaus überwacht werden: Lungenschäden (Lungenödem, Pneumonie, ARDS) können sich noch Stunden später entwickeln.
Pseudokrupp (Laryngitis subglottica)
Virale Entzündung mit Schwellung unterhalb der Stimmritze, meist bei Kindern zwischen etwa 6 Monaten und 3 Jahren, gehäuft im Herbst/Winter, vor allem abends und nachts.
- Zeichen: bellender Husten, Heiserkeit, inspiratorischer Stridor, Unruhe; bei schwerem Verlauf Einziehungen, Zyanose.
- Maßnahmen: Kind beruhigen (Unruhe verstärkt die Atemnot), auf den Arm nehmen, aufrechte Position, kühle frische Luft; ärztlich Kortison (z. B. Dexamethason oral, Prednisolon rektal), bei schwerem Verlauf Adrenalin-Inhalation und Klinikaufnahme.
Abgrenzung: Epiglottitis
Bakterielle Entzündung des Kehldeckels (meist Haemophilus influenzae Typ b, durch die Impfung selten): hohes Fieber, schwer krank wirkendes Kind, kloßige Sprache, Speichelfluss, Schluckschmerz, sitzt nach vorn gebeugt. Lebensgefahr! Nicht in den Rachen schauen, nicht hinlegen, Notarzt, Kind in Begleitung der Eltern sitzend transportieren.
Fieberkrampf
Krampfanfall im Zusammenhang mit Fieber, typischerweise zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, ohne Infektion des Gehirns.
- Einfacher Fieberkrampf: generalisiert, unter 15 Minuten, einmal in 24 Stunden.
- Komplizierter Fieberkrampf: fokal, länger als 15 Minuten oder wiederholt in 24 Stunden → weitere Abklärung.
- Maßnahmen: Ruhe bewahren, Uhrzeit notieren, Kind vor Verletzungen schützen, nicht festhalten, nichts in den Mund schieben, nach dem Anfall Seitenlage; beim ersten Fieberkrampf oder bei Anfall über 3–5 Minuten Notruf und Notfallmedikament nach Verordnung (z. B. Midazolam bukkal).
- Fiebersenkende Mittel lindern das Unwohlsein, verhindern einen erneuten Fieberkrampf aber nicht sicher.
Begleitung der Eltern
Für Eltern ist ein Notfall ihres Kindes ein Schock: Angst um das Leben des Kindes, Schuldgefühle („Ich habe nur kurz weggeschaut“), Hilflosigkeit. Pflegende geben kurze, klare Informationen, benennen eine feste Ansprechperson, ermöglichen die Anwesenheit beim Kind (auch bei der Reanimation, wenn eine Begleitung möglich ist), vermeiden Schuldzuweisungen und vermitteln psychosoziale Unterstützung (z. B. Psychologie, Seelsorge, Krisenintervention).
Typische Prüfungsfallen
- Bei Verdacht auf Epiglottitis keinen Spatel in den Mund – Gefahr des kompletten Atemwegsverschlusses.
- Den Begriff „trockenes Ertrinken“ vermeiden; gemeint sind verzögert auftretende Lungenkomplikationen.
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