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Lernzettel · Onkologische Pflege

Tumorerkrankungen: Klassifikation und Therapieprinzipien

TNM, Grading, R-Klassifikation, Therapieziele und typische Tumoren (Darm, Lunge, Leukämie) im Überblick.

CE 08 · Kritische Lebenssituationen & Palliative CareOnkologische Pflege

Gutartig oder bösartig?

Benigne Tumoren wachsen langsam, verdrängend und abgekapselt, sie metastasieren nicht. Maligne Tumoren wachsen schnell, zerstörend (infiltrierend) über Gewebegrenzen hinweg und bilden Metastasen – über Lymphe (lymphogen), Blut (hämatogen) oder durch Ausbreitung in Körperhöhlen. Karzinome stammen vom Epithelgewebe, Sarkome vom Binde- und Stützgewebe; Leukämien und Lymphome sind bösartige Erkrankungen des blutbildenden bzw. lymphatischen Systems.

TNM-Klassifikation (Staging)

  • T = Primärtumor: Größe und Ausdehnung (Tis = Carcinoma in situ, T1–T4 zunehmend).
  • N = regionale Lymphknoten: N0 kein Befall, N1–N3 zunehmender Befall.
  • M = Fernmetastasen: M0 keine, M1 vorhanden.
  • Vorsilben: c = klinisch, p = pathologisch (nach OP), y = nach Vorbehandlung; X = nicht beurteilbar.

Aus der TNM-Formel ergibt sich das UICC-Stadium (0–IV), das Prognose und Therapie bestimmt.

Grading und weitere Angaben

  • Grading (G1–G3/G4): Wie stark unterscheiden sich die Tumorzellen von gesundem Gewebe? G1 = gut differenziert (weniger aggressiv), G3/G4 = schlecht bzw. undifferenziert (aggressiv).
  • R-Klassifikation: Resttumor nach OP – R0 kein Resttumor, R1 mikroskopisch, R2 makroskopisch.
  • L (Lymphgefäßeinbruch), V (Veneneinbruch), Pn (Nervenscheideninfiltration); bei Brustkrebs z. B. Hormonrezeptoren, HER2-Status, Ki-67.

Therapieziele und -formen

  • Kurativ: Heilung. Palliativ: Lebensverlängerung, Symptomlinderung, Lebensqualität.
  • Neoadjuvant: vor der OP (Tumor verkleinern). Adjuvant: nach der OP (Rückfallrisiko senken).
  • Multimodal: Kombination aus Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, Hormontherapie, zielgerichteten Medikamenten und Immuntherapie – festgelegt in der interdisziplinären Tumorkonferenz.

Wichtige Tumorarten

Kolorektales Karzinom

Entsteht meist aus Polypen (Adenom-Karzinom-Sequenz). Risiken: Alter, rotes und verarbeitetes Fleisch, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, Alkohol, familiäre Belastung, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Zeichen: Blut im Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten (Wechsel Durchfall/Verstopfung), Blutarmut, Leistungsknick, Gewichtsverlust. Früherkennung: Stuhltest auf verborgenes Blut und Darmspiegelung ab 50 Jahren (gesetzliche Krankenversicherung). Therapie: OP, beim Rektumkarzinom oft neoadjuvante Radiochemotherapie, ggf. Anlage eines Stomas.

Lungenkarzinom (Bronchialkarzinom)

Hauptursache Rauchen. Einteilung in kleinzelliges (schnell wachsend, früh metastasierend) und nicht-kleinzelliges Karzinom. Zeichen oft spät: anhaltender Husten, Bluthusten, Atemnot, Gewichtsverlust, wiederkehrende Pneumonien. Therapie je nach Typ und Stadium: OP, Radio-/Chemotherapie, zielgerichtete und Immuntherapie.

Leukämien

Unkontrollierte Vermehrung unreifer weißer Blutzellen verdrängt die normale Blutbildung. Akute (AML, ALL) und chronische Formen (CML, CLL). Die ALL ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. Zeichen durch Mangel an gesunden Zellen: Anämie (Blässe, Müdigkeit), Infektanfälligkeit (Neutropenie), Blutungsneigung (Thrombozytopenie: Petechien, Nasenbluten). Therapie: intensive Chemotherapie, ggf. Stammzelltransplantation.

Besonderheiten der onkologischen Pflege

  • Diagnose bedeutet für viele einen tiefen Einschnitt: Angst, Unsicherheit, Krise – Zeit und Raum für Gespräche geben.
  • Langfristige Begleitung über Diagnostik, Therapie, Nachsorge oder Palliativsituation hinweg.
  • Symptom- und Nebenwirkungsmanagement, Schutz vor Infektionen, Ernährung, Bewegung.
  • Zusammenarbeit mit Psychoonkologie, Sozialdienst, Breast/Cancer Nurses, Selbsthilfe.
Merke: TNM beschreibt die Ausbreitung (Staging), G beschreibt die Bösartigkeit der Zellen (Grading), R beschreibt den Operationserfolg.

Typische Prüfungsfallen

  • G1 ist günstiger als G3 – je höher das Grading, desto aggressiver.
  • Neoadjuvant = vorher, adjuvant = nachher.
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