Lernzettel · Schlaganfall
Schlaganfall: Ursachen, Erkennen und Akuttherapie
Infarkt oder Blutung, BE-FAST, Stroke Unit, Lyse und Thrombektomie – was in den ersten Stunden zählt.
Definition
Ein Schlaganfall (Apoplex, Hirninsult, engl. stroke) ist ein plötzlich auftretender Ausfall von Hirnfunktionen durch eine Durchblutungsstörung oder eine Blutung im Gehirn. Bilden sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden – meist schon nach Minuten – vollständig zurück und zeigt die Bildgebung keinen Infarkt, spricht man von einer TIA (transitorische ischämische Attacke). Eine TIA ist ein Warnsignal und wird wie ein Schlaganfall abgeklärt.
Ursachen
- Ischämischer Hirninfarkt (ca. 80–85 %): Verschluss einer Hirnarterie durch Arteriosklerose der großen Gefäße (z. B. Karotisstenose), durch Embolien aus dem Herzen (v. a. bei Vorhofflimmern) oder durch Veränderungen kleiner Gefäße (lakunäre Infarkte bei Bluthochdruck und Diabetes).
- Hirnblutung (ca. 15 %): intrazerebrale Blutung, meist durch langjährigen Bluthochdruck oder unter Gerinnungshemmung; Subarachnoidalblutung, meist durch ein geplatztes Aneurysma (Leitsymptom: schlagartiger, nie gekannter Vernichtungskopfschmerz).
Klinisch lassen sich Infarkt und Blutung nicht sicher unterscheiden – nur die Bildgebung (CT/MRT) klärt das. Das ist entscheidend, denn eine Lyse bei Blutung wäre lebensgefährlich.
Risikofaktoren
Bluthochdruck (wichtigster beeinflussbarer Faktor), Vorhofflimmern, Diabetes mellitus, Rauchen, Fettstoffwechselstörung, Bewegungsmangel, Übergewicht, hoher Alkoholkonsum; nicht beeinflussbar: Alter, familiäre Belastung.
Erkennen: BE-FAST
- Balance – plötzlicher Schwindel, Gangunsicherheit
- Eyes – Sehstörung, Doppelbilder, Gesichtsfeldausfall
- Face – hängender Mundwinkel beim Lächeln
- Arm – ein Arm sinkt beim Vorhalten ab
- Speech – verwaschene Sprache, Wortfindungsstörung
- Time – sofort 112 wählen, Zeitpunkt des Symptombeginns notieren
Akuttherapie
Jeder Mensch mit Schlaganfallverdacht gehört in eine Klinik mit Stroke Unit: spezialisierte Station mit kontinuierlichem Monitoring (meist 24–72 Stunden), rascher Bildgebung und einem eingespielten Team aus Neurologie, Pflege, Physio-, Ergotherapie, Logopädie und Sozialdienst.
- Intravenöse Thrombolyse mit Alteplase (rt-PA) oder Tenecteplase: in der Regel bis 4,5 Stunden nach Symptombeginn, bei unklarem Beginn ggf. nach spezieller MRT- oder Perfusionsbildgebung. Ziel: das Gerinnsel auflösen und die Penumbra (minderdurchblutetes, noch rettbares Randgebiet) erhalten.
- Mechanische Thrombektomie: Bei Verschluss eines großen Gefäßes wird das Gerinnsel per Katheter über die Leiste entfernt; möglich meist bis 6 Stunden, nach Bildgebungsauswahl bis 24 Stunden. Oft wird sie mit der Lyse kombiniert.
- Bei Hirnblutung: keine Lyse; Blutdruck zügig, aber kontrolliert senken, Gerinnungshemmung aufheben, ggf. operative Entlastung.
Basisüberwachung in der Akutphase
- Blutdruck: beim Infarkt ohne Lyse wird ein erhöhter Wert toleriert (bis ca. 220/120 mmHg), damit die Penumbra durchblutet bleibt; vor Lyse unter 185/110, danach unter 180/105 mmHg.
- Blutzucker im Normbereich halten (Hyper- und Hypoglykämie schaden dem Hirngewebe).
- Körpertemperatur: Fieber ab 37,5 °C senken, Ursache suchen (z. B. Aspirationspneumonie).
- Sauerstoffsättigung ≥ 95 %; Sauerstoff nur bei Bedarf.
- Neurologischer Status (z. B. NIHSS, GCS, Pupillen) in festen Abständen.
- Bis zum Schluckscreening keine orale Nahrung, Flüssigkeit oder Tabletten.
Typische Prüfungsfallen
- Erst Bildgebung, dann Lyse – nie umgekehrt.
- Blutdruck beim Hirninfarkt nicht rasch auf Normwerte senken.
- Eine TIA ist kein „harmloser“ Vorfall, sondern ein Notfall.
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