Lernzettel · Schwangerschaft, Geburt & Wochenbett
Zyklus, Befruchtung, Schwangerschaft und Vorsorge
Vom Menstruationszyklus über Befruchtung und Embryonalentwicklung bis zu Mutterpass, Vorsorge, Teratogenen und gesunder Lebensführung.
Menstruationszyklus (ca. 28 Tage)
- Menstruation (Tag 1–4/5): Abstoßung der Funktionsschicht des Endometriums nach Abfall von Progesteron.
- Follikel- bzw. Proliferationsphase: FSH lässt Follikel reifen; Östrogen baut die Gebärmutterschleimhaut auf, Zervixschleim wird spinnbar.
- Ovulation (ca. Tag 14): ausgelöst durch einen steilen LH-Anstieg.
- Luteal- bzw. Sekretionsphase: Der Gelbkörper bildet Progesteron, die Schleimhaut wird für die Einnistung vorbereitet, die Basaltemperatur steigt um ca. 0,4 °C. Ohne Befruchtung geht der Gelbkörper nach etwa 14 Tagen zugrunde.
Befruchtung und frühe Entwicklung
Die Befruchtung erfolgt meist in der Ampulle des Eileiters. Aus der Zygote entstehen durch Teilungen Morula und Blastozyste, die um den 6.–7. Tag nach der Befruchtung in das Endometrium einnistet (Nidation). Der Trophoblast bildet hCG – Grundlage des Schwangerschaftstests – und erhält den Gelbkörper, bis die Plazenta die Hormonbildung übernimmt.
- Embryonalperiode (bis Ende der 8. Woche nach Befruchtung): Organanlage (Organogenese) – höchste Empfindlichkeit gegenüber Schadstoffen.
- Fetalperiode (ab 9. Woche p. c.): Wachstum und Reifung der Organe; Lungenreife erst gegen Ende.
- Schwangerschaftsdauer: 40 SSW bzw. 280 Tage ab erstem Tag der letzten Regel; Einteilung in drei Trimena.
- Naegele-Regel: erster Tag der letzten Regel + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr (bei 28-Tage-Zyklus).
Teratogene
In den ersten zwei Wochen nach Befruchtung gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip (Absterben oder folgenlose Reparatur). Danach können Schadstoffe Fehlbildungen (Embryopathien) und später Funktions- und Wachstumsstörungen (Fetopathien) verursachen.
- Genussmittel/Drogen: Alkohol (Fetale Alkoholspektrumstörung, FASD), Nikotin (Wachstumsrestriktion, Frühgeburt, plötzlicher Kindstod), Cannabis, Amphetamine
- Medikamente: z. B. Valproat, Isotretinoin, Vitamin-A-Säure-Derivate, Cumarine, ACE-Hemmer, Thalidomid (historisch)
- Infektionen: Röteln, Zytomegalie, Toxoplasmose, Listeriose, Syphilis, Varizellen
- Ionisierende Strahlung, Quecksilber und andere Umweltgifte, schlecht eingestellter Diabetes
Mutterschaftsvorsorge und Mutterpass
Die Vorsorge ist in den Mutterschafts-Richtlinien geregelt; Befunde stehen im Mutterpass, der schrittweise auch als elektronischer Mutterpass in der ePA verfügbar wird.
- Untersuchungen alle 4 Wochen, ab der 32. SSW alle 2 Wochen; nach Termin engmaschiger.
- Regelmäßig: Blutdruck, Gewicht, Urin (Eiweiß, Zucker), Hämoglobin, Fundusstand, kindliche Herztöne, Kindslage.
- Drei Basis-Ultraschalluntersuchungen (um 9.–12., 19.–22., 29.–32. SSW).
- Blutgruppe, Rhesusfaktor, Antikörpersuchtest; bei Rh-negativer Mutter Anti-D-Prophylaxe um die 28. SSW und nach Geburt eines Rh-positiven Kindes.
- Screening auf Infektionen (u. a. Röteln-Immunität, Lues, HIV nach Beratung, Chlamydien, Hepatitis B) und auf Schwangerschaftsdiabetes (Glukosetoleranztest 24.–28. SSW).
Gesunde Lebensführung
- Folsäure 400 µg täglich, idealerweise ab 4 Wochen vor der Empfängnis bis Ende des 1. Trimenons (Neuralrohrdefekte); Jod ergänzen.
- Kein Alkohol, kein Rauchen (auch Passivrauch meiden), Koffein höchstens ca. 200 mg/Tag (2 Tassen Kaffee), keine Energydrinks.
- Keine rohen tierischen Lebensmittel (Rohmilchkäse, rohes Fleisch/Fisch, rohe Eier) wegen Listerien und Toxoplasmen; Gemüse gründlich waschen; Katzenstreu nicht selbst wechseln.
- Kein „Essen für zwei“: Der Energiebedarf steigt erst ab dem 2. Trimenon moderat.
- Moderate Bewegung (Schwimmen, Walking, Radfahren) ist erwünscht; Kontakt- und Sturzsportarten meiden.
- Medikamente nur nach Rücksprache mit Ärztin/Arzt; Impfungen gegen Influenza, Pertussis (ab 28. SSW), COVID-19 und RSV (ab 32. SSW, alternativ Antikörper für das Neugeborene) nach STIKO.
Typische Prüfungsfallen
- SSW werden ab der letzten Regel gezählt (p. m.), die Embryonalentwicklung ab der Befruchtung (p. c.) – Differenz ca. 2 Wochen.
- Folsäure muss vor der Schwangerschaft beginnen, da sich das Neuralrohr schon in der 4. Woche p. c. schließt.
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