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Lernzettel · Pädiatrische Pflege & Krankheitsbilder

Das kranke Kind: Vitalwerte, Fieber, Schmerz, Rechte

Altersabhängige Normwerte, Fiebermessung und -management, Schmerzeinschätzung mit Skalen und die EACH-Charta für Kinder im Krankenhaus.

CE 10 · Kindheit & JugendPädiatrische Pflege & Krankheitsbilder

Vitalwerte nach Alter (Richtwerte in Ruhe)

  • Neugeborenes: Herzfrequenz ca. 110–160/min, Atemfrequenz ca. 40–60/min, RR systolisch ca. 60–80 mmHg
  • Säugling: HF ca. 100–150/min, AF ca. 30–40/min
  • Kleinkind (1–5 J.): HF ca. 90–140/min, AF ca. 20–30/min
  • Schulkind: HF ca. 70–110/min, AF ca. 18–25/min
  • Jugendliche: HF ca. 60–100/min, AF ca. 14–20/min, RR ähnlich wie bei Erwachsenen

Je jünger das Kind, desto höher Puls und Atemfrequenz und desto niedriger der Blutdruck. Gemessen wird möglichst im Schlaf oder in Ruhe, die Atmung durch Beobachten von Bauch und Brustkorb über eine volle Minute. Blutdruckmanschetten in passender Breite verwenden. Quellenwerte weichen leicht voneinander ab.

Fieber bei Kindern

  • Fieber ab ca. 38,0 °C (rektal), hohes Fieber ab ca. 39 °C.
  • Messung: bei Säuglingen und Kleinkindern rektal am genauesten; ab etwa 2 Jahren auch Ohr; axillär nur orientierend. Rektales Thermometer mit Schutzhülle und Gleitmittel, Beine des Kindes sicher halten.
  • Säuglinge unter 3 Monaten mit Fieber ≥ 38 °C immer ärztlich vorstellen (Gefahr Sepsis, Meningitis).
  • Fiebersenkung ist kein Selbstzweck: Ziel ist das Wohlbefinden. Paracetamol oder Ibuprofen gewichtsadaptiert nach Anordnung; keine Acetylsalicylsäure (Reye-Syndrom).
  • Pflege: ausreichend trinken lassen, leichte Kleidung, Wadenwickel nur bei warmen Extremitäten und ohne Schüttelfrost, Ruhe, Mundpflege, Beobachtung von Bewusstsein, Hautfarbe, Ausscheidung.
  • Warnzeichen: Trinkverweigerung, wenig nasse Windeln, Apathie, Nackensteife, Petechien, Atemnot, Fieberkrampf.

Fieberkrampf: meist zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, generalisiert, kurz. Maßnahmen: Kind vor Verletzung schützen, nichts in den Mund stecken, Zeit messen, nach Anordnung Notfallmedikament (z. B. Midazolam bukkal), danach Seitenlage und Arzt.

Schmerz bei Kindern

Schon Neugeborene und Frühgeborene empfinden Schmerz; unbehandelter Schmerz kann das Schmerzgedächtnis prägen und zu Angst vor Behandlungen führen. Grundsätze: Vertrauen aufbauen, Schmerz regelmäßig einschätzen, Eltern einbeziehen.

  • Neugeborene/Frühgeborene: Fremdeinschätzung z. B. Berner Schmerzscore, NIPS, PIPP.
  • 0–4 Jahre: KUSS (Kindliche Unbehagens- und Schmerzskala) mit Weinen, Gesichtsausdruck, Rumpfhaltung, Beinhaltung, motorischer Unruhe; ab 4 von 10 Punkten Handlungsbedarf.
  • ab ca. 4 Jahren: Gesichter-Skala (Faces Pain Scale – Revised).
  • ab ca. 8–10 Jahren: numerische oder visuelle Analogskala.

Nicht-medikamentös: Eltern anwesend, Saugen, orale Glukose-/Saccharoselösung bei Neugeborenen und jungen Säuglingen ca. 2 Minuten vor kleinen Eingriffen, Pucken, Haut-zu-Haut, Ablenkung (Seifenblasen, Tablet), Tell-show-do (erklären – zeigen – durchführen), Talking-through. Lokal: anästhesierende Pflaster/Creme (z. B. EMLA) ca. 60 Minuten vor der Punktion unter Okklusivverband.

Rechte von Kindern im Krankenhaus (EACH-Charta)

  • Stationäre Aufnahme nur, wenn ambulante/teilstationäre Behandlung nicht ausreicht.
  • Recht, Eltern bzw. eine Bezugsperson jederzeit bei sich zu haben; Mitaufnahme der Eltern.
  • Alters- und entwicklungsgerechte Information, Einbeziehung in Entscheidungen.
  • Gemeinsame Betreuung mit Kindern ähnlichen Alters, nicht auf Erwachsenenstationen.
  • Kindgerechte Umgebung mit Spiel-, Erholungs- und Schulmöglichkeiten.
  • Betreuung durch speziell ausgebildetes Personal, Kontinuität der Pflege.
  • Schutz der Intimsphäre, taktvolle und verständnisvolle Behandlung.
Merke: Auch wenn Eltern mit aufgenommen sind, bleibt die Aufsichtspflicht bei den Pflegenden, solange sie nicht ausdrücklich übergeben wurde.

Typische Prüfungsfallen

  • Keine ASS bei Kindern mit Fieber.
  • „Tapfer sein“ einfordern verhindert Schmerzäußerung – Schmerz aktiv erfragen bzw. beobachten.
  • Normwerte Erwachsener sind bei Säuglingen keine Referenz: AF 40/min ist beim Neugeborenen normal.
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