Lernzettel · Demenz & personzentrierte Pflege
Demenzformen, Diagnostik und Medikamente
Alzheimer, vaskuläre, Lewy-Körperchen- und frontotemporale Demenz unterscheiden, Testverfahren einordnen und die Antidementiva kennen.
Was ist eine Demenz?
Eine Demenz ist ein Syndrom: Mehrere höhere Hirnleistungen (Gedächtnis, Denken, Orientierung, Sprache, Urteilsfähigkeit, Handlungsplanung) lassen über mindestens sechs Monate so weit nach, dass der Alltag nicht mehr selbstständig bewältigt werden kann. Das Bewusstsein bleibt – anders als beim Delir – klar. Häufig verändern sich zusätzlich Stimmung, Antrieb und Sozialverhalten.
Primäre Demenzen entstehen direkt im Gehirn (neurodegenerativ oder vaskulär). Sekundäre Demenzen sind Folge anderer Erkrankungen, z. B. Vitamin-B12-Mangel, Hypothyreose, Normaldruckhydrozephalus, Alkoholmissbrauch, Hirntumor. Sie sind teilweise behandelbar – deshalb gehört die Suche nach behebbaren Ursachen zu jeder Diagnostik.
Die vier wichtigsten Formen
- Alzheimer-Demenz (ca. 60–70 %): Ablagerung von Beta-Amyloid als Plaques zwischen den Zellen und Tau-Fibrillen in den Neuronen, Mangel an Acetylcholin. Schleichender Beginn, zuerst Kurzzeitgedächtnis und Wortfindung, später Orientierung, Alltagshandlungen, Sprache, am Ende Bettlägerigkeit, Schluckstörungen, Kontrakturen. Hauptrisikofaktor: Alter.
- Vaskuläre Demenz: Folge vieler kleiner oder einzelner großer Infarkte bzw. Schädigung der Marklager. Eher plötzlicher Beginn, stufenweiser Verlauf, oft neurologische Herdzeichen (Gangstörung, Lähmung), Verlangsamung. Risikofaktoren: Hypertonie, Diabetes, Rauchen, Vorhofflimmern, Fettstoffwechselstörung. Mischformen mit Alzheimer sind häufig.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Ablagerung von Alpha-Synuklein. Typisch sind stark schwankende Aufmerksamkeit und Wachheit, detailreiche optische Halluzinationen, Parkinson-Symptome, Stürze und eine Schlafstörung mit Ausagieren von Träumen. Sehr wichtig: Überempfindlichkeit gegen Neuroleptika (Rigor, Verwirrtheit, lebensbedrohliche Reaktionen).
- Frontotemporale Demenz: Beginn oft zwischen 50 und 65 Jahren. Zuerst verändern sich Persönlichkeit und Verhalten (Enthemmung, Taktlosigkeit, Apathie, Verlust von Mitgefühl, verändertes Essverhalten) oder die Sprache; das Gedächtnis ist anfangs relativ gut erhalten. Familiäre Häufung kommt öfter vor als bei Alzheimer.
Diagnostik
- Anamnese und Fremdanamnese (Angehörige!), körperliche und neurologische Untersuchung
- Kurztests: MMST (max. 30 Punkte; 20–26 leicht, 10–19 mittelschwer, unter 10 schwer), Uhrentest (Ziffern und Zeiger einzeichnen – prüft Planung und räumliches Denken), DemTect, MoCA
- Labor (Blutbild, Elektrolyte, TSH, Vitamin B12, Blutzucker u. a.), Bildgebung (CT/MRT), ggf. Liquor (Amyloid, Tau) oder PET
Kurztests sind Screening, keine Diagnose. Sie werden in ruhiger Umgebung, mit Brille und Hörgerät und nicht während eines akuten Infekts durchgeführt.
Medikamente
- Acetylcholinesterase-Hemmer (Donepezil, Rivastigmin – auch als Pflaster –, Galantamin) bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz. Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall, Appetitverlust, Bradykardie, Schwindel.
- Memantin (NMDA-Antagonist) bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz. Nebenwirkungen: Schwindel, Kopfschmerz, Unruhe.
- Seit 2025 sind in der EU Antikörper gegen Beta-Amyloid (Lecanemab, Donanemab) für frühe Alzheimer-Stadien unter strengen Bedingungen zugelassen; sie erfordern Infusionen und MRT-Kontrollen wegen möglicher Hirnschwellungen oder Mikroblutungen.
- Antidementiva bremsen den Verlauf bestenfalls, sie heilen nicht.
- Neuroleptika nur kurz, niedrig dosiert und nach Ausschöpfen nicht-medikamentöser Maßnahmen: Sie erhöhen bei Demenz das Risiko für Schlaganfall, Stürze und Tod.
Typische Prüfungsfallen
- Alzheimer beginnt nicht mit Persönlichkeitsveränderung – das ist typisch für die frontotemporale Demenz.
- MMST-Werte nie isoliert als Diagnose verwenden.
- Sekundäre (behandelbare) Ursachen gehören zur Diagnostik.
- Stufenweiser Verlauf mit Herdzeichen spricht für eine vaskuläre Ursache.
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