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Lernzettel · Affektive Störungen & Suizidalität

Depression und Antidepressiva

Symptome, Schweregrade, pflegerischer Umgang und die wichtigsten Antidepressiva mit ihren Fallstricken.

CE 11 · Psychische Gesundheit & KognitionAffektive Störungen & Suizidalität

Definition und Häufigkeit

Die Depression ist eine affektive Störung mit anhaltend gedrückter Stimmung. Sie gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen; Frauen erhalten die Diagnose etwa doppelt so oft, Männer zeigen eher Reizbarkeit, Rückzug oder Suchtverhalten und sterben häufiger durch Suizid.

Entstehung

Multifaktoriell nach dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell: genetische Veranlagung, Veränderungen im Neurotransmitterhaushalt (Serotonin, Noradrenalin), Persönlichkeitszüge (Perfektionismus, hohes Pflichtgefühl), belastende Ereignisse (Verlust, Trennung, Ruhestand, Isolation), körperliche Erkrankungen (Schlaganfall, Parkinson, Schilddrüsenstörung, Krebs) und Medikamente (z. B. Kortikoide).

Symptome (nach ICD-10-GM)

Hauptsymptome: gedrückte Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, verminderter Antrieb mit rascher Ermüdbarkeit.

Zusatzsymptome: Konzentrationsstörungen, vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, pessimistische Zukunftssicht, Suizidgedanken oder -handlungen, Schlafstörungen, verminderter Appetit.

Dauer mindestens zwei Wochen. Schweregrad: leicht (2 Haupt- + 2 Zusatzsymptome), mittelgradig (2 + 3–4), schwer (3 + mindestens 4).

Weitere typische Zeichen: Morgentief, frühes Erwachen, „Gefühl der Gefühllosigkeit“, Grübeln, körperliche Beschwerden (Druck auf der Brust, Verstopfung, Libidoverlust), Verlangsamung. Bei schwerer Depression kann ein Wahn auftreten (Schuld-, Verarmungs-, hypochondrischer Wahn). Im Alter wird die Depression oft als Demenz verkannt („Pseudodemenz“).

Therapie

  • Psychotherapie (v. a. kognitive Verhaltenstherapie), Psychoedukation
  • Antidepressiva (siehe unten)
  • Wachtherapie (Schlafentzug), Lichttherapie bei saisonaler Depression, Bewegungstherapie
  • Elektrokonvulsionstherapie bei schwerer, therapieresistenter oder wahnhafter Depression

Antidepressiva – das Wichtigste

  • SSRI (z. B. Sertralin, Citalopram, Escitalopram): häufig Mittel der ersten Wahl; anfangs Übelkeit, Unruhe, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Hyponatriämie im Alter, erhöhte Blutungsneigung.
  • SNRI (Venlafaxin, Duloxetin): zusätzlich Blutdruckanstieg möglich.
  • Trizyklika (Amitriptylin): anticholinerg – Mundtrockenheit, Obstipation, Harnverhalt, Herzrhythmusstörungen, Delirgefahr im Alter; in Überdosis sehr gefährlich.
  • Mirtazapin: sedierend, appetitsteigernd, Gewichtszunahme.

Die stimmungsaufhellende Wirkung setzt erst nach etwa 2–4 Wochen ein, Nebenwirkungen und Antriebssteigerung oft früher – in dieser Phase ist das Suizidrisiko erhöht. Antidepressiva machen nicht abhängig, sollen aber ausschleichend abgesetzt werden. Bei Kombination serotonerger Mittel droht ein Serotoninsyndrom (Unruhe, Schwitzen, Zittern, Fieber, Muskelzuckungen).

Pflege

  • Beziehung aufbauen: Zeit, Geduld, Echtheit; Leid ernst nehmen
  • Nicht aufmuntern („Kopf hoch“), keine Appelle („Reiß dich zusammen“), keine Bagatellisierung
  • Tagesstruktur mit kleinen, erreichbaren Zielen; Erfolge sichtbar machen; nicht überfordern
  • Aktivierung (Bewegung, Ergotherapie) dosiert anbieten
  • Selbstversorgung unterstützen, Ernährung, Flüssigkeit, Ausscheidung, Schlaf beobachten
  • Suizidalität regelmäßig direkt ansprechen und dokumentieren
  • Keine weitreichenden Lebensentscheidungen in der akuten Phase
  • Medikamenteneinnahme begleiten, Nebenwirkungen erfassen, Angehörige einbeziehen
Merke: „Die Krankheit hindert am Wollen.“ Antriebslosigkeit ist ein Symptom, keine Faulheit. Achtung zu Beginn der Antidepressiva-Therapie und bei plötzlicher Besserung ohne erkennbaren Grund – beides kann auf erhöhtes Suizidrisiko hinweisen.

Typische Prüfungsfallen

  • Trizyklika im Alter wegen anticholinerger Wirkung vermeiden.
  • Wirkungseintritt nicht am ersten Tag erwarten.
  • Pseudodemenz vs. Demenz unterscheiden: Depressive klagen über ihre Defizite, Demenzkranke überspielen sie eher.
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