Lernzettel · Schizophrenie & Psychopathologie
Psychopathologischer Befund
Die Bereiche des psychopathologischen Befundes systematisch beobachten und wertfrei dokumentieren.
Was ist Psychopathologie?
Die Psychopathologie beschreibt krankhaft verändertes Erleben, Denken, Fühlen und Verhalten. Der psychopathologische Befund ist das Herzstück der psychiatrischen Diagnostik. Pflegende tragen viel dazu bei, weil sie Patienten rund um die Uhr erleben. Grundlage ist häufig das AMDP-System mit festgelegten Fachbegriffen.
Grundregeln der Beobachtung
- Beschreiben statt bewerten: „trägt seit drei Tagen dieselbe, verschmutzte Kleidung“ statt „verwahrlost“.
- Wörtliche Zitate nutzen, Situation und Zeitpunkt angeben.
- So formulieren, dass Betroffene den Bericht lesen könnten, ohne gekränkt zu sein.
- Eigene Gefühle (Angst, Ärger) wahrnehmen, aber vom Befund trennen.
Bereiche des Befundes
- Äußeres Erscheinungsbild: Kleidung, Körperpflege, Haltung.
- Bewusstsein: quantitativ (wach, benommen, somnolent, soporös, komatös) und qualitativ (eingeengt, verschoben, getrübt).
- Orientierung: zeitlich, örtlich, situativ, zur Person.
- Aufmerksamkeit und Gedächtnis: Konzentration, Merkfähigkeit, Konfabulationen.
- Formales Denken (Wie wird gedacht?): verlangsamt, umständlich, eingeengt, Grübeln, Perseveration, Ideenflucht, Gedankenabreißen, Zerfahrenheit, Neologismen.
- Inhaltliches Denken (Was wird gedacht?): Wahn, überwertige Ideen, Zwangsgedanken, Befürchtungen.
- Wahrnehmungsstörungen: Illusionen (Fehldeutung realer Reize), Halluzinationen (Wahrnehmung ohne Reiz: akustisch, optisch, taktil, olfaktorisch, gustatorisch, Leibhalluzinationen).
- Ich-Störungen: Gedankeneingebung, Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Fremdbeeinflussung, Depersonalisation, Derealisation.
- Affektivität: Stimmung (gedrückt, gehoben, gereizt, ängstlich), affektarm, affektstarr, affektlabil, affektinkontinent, Parathymie (Gefühl passt nicht zum Inhalt), Ambivalenz.
- Antrieb und Psychomotorik: gesteigert, gehemmt, Stupor, Agitiertheit, Manierismen, Stereotypien, Mutismus.
- Weitere Merkmale: Schlaf, Appetit, Krankheitseinsicht, sozialer Rückzug, Selbst- und Fremdgefährdung.
Wahn genauer
Ein Wahn ist eine inhaltlich falsche Überzeugung, die mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird, durch Erfahrung oder Argumente nicht korrigierbar ist und meist nicht von anderen geteilt wird. Formen nach Inhalt: Verfolgungs-, Beziehungs-, Vergiftungs-, Größen-, Schuld-, Verarmungs-, Eifersuchts-, hypochondrischer und religiöser Wahn. Nach Entstehung: Wahnstimmung (diffuse Unheimlichkeit), Wahnwahrnehmung (reale Wahrnehmung erhält wahnhafte Bedeutung), Wahneinfall.
Typische Prüfungsfallen
- Ideenflucht (Manie) und Zerfahrenheit (Schizophrenie) nicht verwechseln: Bei Ideenflucht sind die Sprünge noch nachvollziehbar.
- Ich-Störungen gehören nicht zu den Wahrnehmungsstörungen.
- Abwertende Begriffe haben in der Dokumentation nichts verloren.
- Bewusstseinsstörungen (z. B. Somnolenz) sprechen eher für eine körperliche Ursache wie Delir oder Intoxikation als für eine Schizophrenie – hier muss ärztlich abgeklärt werden.
Beitrag der Pflege im Alltag
Pflegende beobachten nicht nur im Aufnahmegespräch, sondern bei Mahlzeiten, in Gruppen, nachts und bei Besuchen. Gerade Veränderungen im Verlauf – etwa zunehmender Rückzug, neu auftretendes Misstrauen, nachlassender Schlaf – sind wichtige Frühwarnzeichen für eine Verschlechterung. Hilfreich ist, Beobachtungen in der Übergabe mit konkreten Beispielen weiterzugeben und sie mit früheren Einträgen zu vergleichen. Wer unsicher ist, wie ein Phänomen einzuordnen ist, beschreibt es zunächst genau und klärt den Fachbegriff anschließend im Team.
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