Lernzettel · Pflegeberuf & Berufsgeschichte
Geschichte der Pflege – von der Nächstenliebe zum Beruf
Die wichtigsten Etappen der Pflegegeschichte mit Personen und Jahreszahlen, die in Prüfungen immer wieder auftauchen.
Pflege1Pluspflege1plus.de · Prüfungsvorbereitung Pflege
Warum Berufsgeschichte?
Wer weiß, wie die Pflege zu dem geworden ist, was sie heute ist, versteht viele aktuelle Debatten besser: die Diskussion um Akademisierung, um Pflegekammern, um das Bild der „aufopfernden Schwester“ oder um die Abhängigkeit von der Medizin. Prüfungsaufgaben fragen meist nach Zusammenhängen, nicht nach einzelnen Jahreszahlen.
Etappen im Überblick
- Antike: Pflege ist überwiegend Aufgabe der Familie; Ärzte (z. B. in der Tradition des Hippokrates) sehen die Pflege als Teil ihres Handelns oder geben sie an Gehilfen weiter.
- Christliches Mittelalter: Krankenpflege gilt als Werk der Nächstenliebe. Orden und Klöster versorgen Kranke, Arme und Fremde (Hospital = Herberge). Pflege ist Dienst an Gott, nicht Erwerbsarbeit. Bekannte Vertreterin: Hildegard von Bingen.
- 17.–19. Jahrhundert: Katholische Pflegeorden (z. B. Vinzentinerinnen) und später evangelische Diakonissen leben im Mutterhaussystem: Unterkunft und Versorgung gegen lebenslangen Dienst, kaum Lohn, Gehorsam gegenüber Oberin und Arzt. 1836 gründen Theodor und Friederike Fliedner die Diakonissenanstalt in Kaiserswerth.
- Florence Nightingale (1820–1910): pflegt im Krimkrieg verwundete Soldaten, senkt durch Hygiene und Organisation die Sterblichkeit, veröffentlicht 1859 „Notes on Nursing“ und eröffnet 1860 in London eine eigenständige Pflegeschule. Sie gilt als Begründerin der modernen Krankenpflege und erste Pflegetheoretikerin; ihr Geburtstag (12. Mai) ist der Internationale Tag der Pflegenden.
- Ende 19. Jh.: Mit der Sozialversicherung (1883) wachsen die Krankenhäuser. Viele Frauen arbeiten gegen Lohn außerhalb der Mutterhäuser („freie“ bzw. „wilde“ Schwestern) – oft unter extrem langen Diensten.
- Agnes Karll (1868–1927): freie Schwester, gründet 1903 die erste Berufsorganisation für Krankenpflegerinnen in Deutschland (Vorläufer des heutigen DBfK), fordert eine geregelte dreijährige Ausbildung, soziale Absicherung und faire Arbeitsbedingungen und ist später Präsidentin des International Council of Nurses (ICN, gegründet 1899).
- 1906/1907: Erste staatliche Prüfungsvorschriften für Krankenpflegepersonen (Preußen) – Pflege wird ein staatlich anerkannter Beruf mit einjähriger Ausbildung.
- Nationalsozialismus: Gleichschaltung der Verbände, NS-Schwesternschaft, Ausgrenzung jüdischer Pflegender. Pflegende wirkten an Krankenmorden („Euthanasie“) mit. Diese Schuld ist ein zentraler Grund, warum Pflege heute einen Ethikkodex und Patientenrechte betont.
- DDR/BRD: In der DDR staatlich gelenkte, teils fachschulische Ausbildung; in der BRD Krankenpflegegesetze (1957, 1965, 1985) mit getrennten Berufen.
- 2003/2004: neues Krankenpflegegesetz (Gesundheits- und [Kinder-]Krankenpflege) und erstmals bundeseinheitliches Altenpflegegesetz.
- 2020: Pflegeberufegesetz (PflBG) tritt in Kraft – generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann, primärqualifizierendes Studium, Vorbehaltsaufgaben.
Merke: Drei Linien prägen die Geschichte: (1) religiös motivierte Pflege als Liebesdienst, (2) Pflege als ärztlicher Hilfsberuf und (3) Pflege als eigenständiger Beruf mit eigener Wissensbasis. Nightingale und Karll stehen für die dritte Linie.
Typische Prüfungsfallen
- Nightingale gründete nicht das Rote Kreuz – das war Henri Dunant (1863).
- Agnes Karll war eine „freie“ Schwester, gerade nicht in einem Mutterhaus organisiert.
- Das Mutterhausprinzip ist nicht nur „historisch nett“: Es erklärt, warum Pflege lange schlecht bezahlt und wenig selbstbestimmt war.
- Das PflBG gilt seit 1. Januar 2020 – die alten Ausbildungen laufen nur noch aus.
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