Lernzettel · Hygiene & Infektionsschutz
Infektionslehre und Standardhygiene
Infektionskette, Übertragungswege, nosokomiale Infektionen und die Basismaßnahmen, die bei jedem Patienten gelten.
Grundbegriffe
- Kontamination: Erreger befinden sich auf Haut, Gegenständen oder Flächen, ohne sich zu vermehren.
- Kolonisation: Erreger besiedeln den Menschen und vermehren sich, ohne Krankheitszeichen auszulösen (z. B. MRSA im Nasenvorhof).
- Infektion: Erreger dringen ein, vermehren sich und lösen eine Reaktion des Körpers aus – mit oder ohne Symptome.
- Nosokomiale Infektion: Infektion, die im Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme entsteht und bei Aufnahme weder vorhanden noch in Inkubation war – in der Praxis meist ab dem dritten Behandlungstag.
Infektionskette
Erreger → Infektionsquelle/Reservoir (Mensch, Tier, Umgebung) → Austrittspforte → Übertragungsweg → Eintrittspforte → empfänglicher Wirt. Jede Hygienemaßnahme unterbricht mindestens ein Glied dieser Kette.
Übertragungswege
- Kontakt direkt (Hand zu Haut, Sekrete) und indirekt (über Hände des Personals, Stethoskop, Türklinke) – wichtigster Weg im Krankenhaus.
- Tröpfchen: größere Partikel beim Husten, Niesen, Sprechen, Reichweite meist bis ca. 1–2 Meter (z. B. Influenza, Noroviren beim Erbrechen).
- Aerogen: kleinste Partikel/Tröpfchenkerne bleiben in der Luft und werden über weite Strecken getragen (z. B. Tuberkulose, Masern, Windpocken).
- weitere: Blut (Hepatitis B/C, HIV), fäkal-oral, Lebensmittel, Vektoren.
Häufige nosokomiale Infektionen
Postoperative Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen (oft katheterassoziiert), untere Atemwegsinfektionen/Pneumonien (z. B. bei Beatmung), primäre Sepsis (gefäßkatheterassoziiert) und Clostridioides-difficile-Infektionen. Ein großer Teil gilt als vermeidbar – die Hände des Personals sind der wichtigste Übertragungsweg.
Standardhygiene – gilt immer, bei allen
- Händehygiene: hygienische Händedesinfektion nach den 5 Indikationen der WHO, 30 Sekunden Einwirkzeit, ausreichend Präparat (Hände müssen die gesamte Zeit feucht bleiben). Voraussetzungen: kurze, unlackierte Nägel, keine künstlichen Nägel, kein Schmuck an Händen und Unterarmen, Hautpflege.
- Persönliche Schutzausrüstung: Handschuhe bei möglichem Kontakt mit Blut, Sekreten, Ausscheidungen; Schutzkittel/Schürze bei Kontaminationsgefahr der Kleidung; Mund-Nasen-Schutz und Schutzbrille bei Spritzgefahr.
- Flächendesinfektion patientennaher Flächen, Aufbereitung von Medizinprodukten.
- Sicherer Umgang mit spitzen Gegenständen: kein Recapping, Abwurf direkt in durchstichsichere Behälter, Sicherheitsprodukte nutzen.
- Husten- und Niesetikette, Wäsche- und Abfallmanagement.
Reinigung, Desinfektion, Sterilisation
- Reinigung: Entfernen von Schmutz und organischem Material – Voraussetzung für jede wirksame Desinfektion.
- Desinfektion: gezielte Abtötung bzw. Inaktivierung krankmachender Erreger, sodass keine Infektion mehr ausgehen kann (Keimreduktion).
- Sterilisation: Abtötung aller Mikroorganismen einschließlich Sporen (z. B. Dampfsterilisation bei 134 °C).
Medizinprodukte werden nach Risiko eingeteilt: unkritisch (Kontakt nur mit intakter Haut, z. B. Blutdruckmanschette), semikritisch (Kontakt mit Schleimhaut, z. B. Endoskop) und kritisch (durchdringen Haut/Schleimhaut, z. B. chirurgische Instrumente – müssen steril sein).
Typische Prüfungsfallen
- Handschuhe ersetzen keine Händedesinfektion – vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen desinfizieren.
- Kolonisation ist keine Infektion, kann aber zur Infektion werden und übertragen werden.
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