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Lernzettel · Diabetes mellitus & Endokrinologie

Diabetes mellitus – Typen, Pathophysiologie und Diagnostik

Was bei Typ 1, Typ 2 und Gestationsdiabetes im Körper passiert, welche Symptome typisch sind und ab welchen Werten die Diagnose gilt.

CE 05 · Kurative Prozesse & PatientensicherheitDiabetes mellitus & Endokrinologie

Definition

Diabetes mellitus ist eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen mit chronisch erhöhtem Blutzucker, verursacht durch fehlendes Insulin, eine verminderte Insulinwirkung oder beides. In Deutschland sind über 8 Millionen Menschen betroffen, rund 90–95 % davon mit Typ 2.

Physiologie in Kürze

Insulin aus den B-Zellen der Langerhans-Inseln ist das einzige blutzuckersenkende Hormon: Es öffnet Muskel- und Fettzellen für Glukose, fördert die Glykogenbildung in Leber und Muskel und hemmt Fettabbau. Gegenspieler sind Glukagon, Adrenalin, Cortisol und Wachstumshormon.

Typen

  • Typ 1: Autoimmunzerstörung der B-Zellen → absoluter Insulinmangel. Beginn meist in Kindheit oder Jugend, rasch einsetzende Symptome, Neigung zur Ketoazidose. Therapie: lebenslang Insulin. Sonderform LADA bei Erwachsenen.
  • Typ 2: Insulinresistenz der Körperzellen plus nachlassende Insulinsekretion → relativer Mangel. Begünstigt durch Übergewicht (v. a. Bauchfett), Bewegungsmangel, Alter, genetische Veranlagung, metabolisches Syndrom. Beginnt schleichend und wird oft zufällig oder erst durch Folgeschäden entdeckt.
  • Gestationsdiabetes: erstmals in der Schwangerschaft auftretende Glukosetoleranzstörung; Screening zwischen 24. und 28. SSW; erhöhtes Risiko für späteren Typ 2.
  • Andere Formen: z. B. nach Pankreatitis oder Pankreasentfernung, medikamentös durch Glukokortikoide (Steroiddiabetes), MODY.

Symptome der Hyperglykämie

Über der Nierenschwelle (ca. 160–180 mg/dl) wird Glukose mit dem Urin ausgeschieden und zieht Wasser mit: Polyurie, dadurch Durst (Polydipsie), Exsikkose, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Leistungsschwäche, Sehstörungen, Juckreiz, Infektanfälligkeit und schlecht heilende Wunden. Beim Typ 1 kommen Ketonkörper hinzu: Übelkeit, Bauchschmerz, Azetongeruch, vertiefte Kussmaul-Atmung.

Diagnostik (Erwachsene)

  • HbA1c ≥ 6,5 % (48 mmol/mol) – spiegelt den mittleren BZ der letzten 8–12 Wochen
  • Nüchtern-Plasmaglukose ≥ 126 mg/dl (7,0 mmol/l)
  • Gelegenheitsglukose ≥ 200 mg/dl (11,1 mmol/l) bei typischen Beschwerden
  • oraler Glukosetoleranztest: 2-h-Wert ≥ 200 mg/dl

Grauzone („Prädiabetes“): nüchtern 100–125 mg/dl oder HbA1c 5,7–6,4 %. Umrechnung: mg/dl geteilt durch 18 ergibt mmol/l.

Akute Entgleisungen

  • Diabetische Ketoazidose (typisch Typ 1): BZ meist über 250 mg/dl, Ketone, metabolische Azidose, Kussmaul-Atmung, Exsikkose, „Pseudoperitonitis“.
  • Hyperosmolares hyperglykämisches Syndrom (typisch ältere Typ-2-Patienten): BZ oft über 600 mg/dl, massive Exsikkose, Bewusstseinsstörung, kaum Ketone.
  • Hypoglykämie: Werte unterhalb von 70 mg/dl (= 3,9 mmol/l); Details im Lernzettel zu Antidiabetika.

Therapieprinzipien

Typ 1: Insulinersatz plus Schulung. Typ 2: Stufentherapie – Lebensstil (Ernährung, Bewegung, Gewichtsreduktion, Rauchstopp) als Basis, dann Metformin und weitere Wirkstoffe je nach Begleiterkrankungen, ggf. Insulin. Zielwerte werden individuell vereinbart (z. B. HbA1c 6,5–7,5 %, bei gebrechlichen älteren Menschen höher, um Unterzuckerungen zu vermeiden).

Merke: Typ 1 = absoluter Mangel, schnell, jung, Ketoazidose. Typ 2 = Resistenz plus relativer Mangel, schleichend, meist älter, hyperosmolar.

Typische Prüfungsfallen

  • Der HbA1c zeigt keine akute Entgleisung an, sondern den Verlauf der letzten Wochen.
  • Typ 2 betrifft zunehmend auch Jugendliche mit Adipositas.
  • Glukokortikoide erhöhen den Blutzucker – bei Kortisontherapie BZ kontrollieren.
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