Lernzettel · Entwicklungspsychologie & Sozialisation
Entwicklungstheorien: Piaget, Erikson, Havighurst, SOK
Die vier prüfungsrelevanten Entwicklungsmodelle im Überblick – mit Stufen, Kernbegriffen und Bezug zur Pflege.
Warum Entwicklungstheorien in der Pflege?
Wer Kinder, Jugendliche oder alte Menschen pflegt, muss einschätzen können, was ein Mensch in seinem Alter versteht, fühlt und leisten kann. Entwicklungsmodelle liefern dafür ein Raster: Sie helfen, Verhalten richtig zu deuten (z. B. Trotz, Rückzug, Regression) und Information, Beteiligung und Anleitung altersgerecht zu planen. Entwicklung meint dabei überdauernde, mit dem Lebensalter verknüpfte Veränderungen – sie dauert ein Leben lang.
Jean Piaget – kognitive Entwicklung
Das Kind konstruiert sein Wissen aktiv. Neue Erfahrungen werden entweder in vorhandene Denkschemata eingeordnet (Assimilation) oder die Schemata werden verändert bzw. neu gebildet (Akkommodation). Beides zusammen heißt Adaptation; das Streben nach einem inneren Gleichgewicht nennt Piaget Äquilibration.
- Sensomotorische Stufe (0–2 J.): Lernen über Wahrnehmung und Bewegung; um den 8. Monat entsteht die Objektpermanenz (Dinge existieren weiter, auch wenn man sie nicht sieht).
- Präoperationale Stufe (2–7 J.): Sprache und Symbolspiel; Denken ist egozentrisch, anschaulich und zentriert; Animismus und magisches Denken („Der Mond läuft mir nach“).
- Konkret-operationale Stufe (7–11/12 J.): logisches Denken an greifbaren Inhalten, Mengen- und Volumenerhaltung (Invarianz), Umkehrbarkeit von Gedanken.
- Formal-operationale Stufe (ab ca. 12 J.): abstraktes, hypothetisches Denken; Jugendliche können über Krankheit, Zukunft und Risiken nachdenken.
Erik H. Erikson – psychosoziale Entwicklung
Acht Lebensphasen mit je einem zentralen Konflikt; gelingt die Lösung, entsteht eine Stärke, die die nächste Phase trägt.
- Säugling: Urvertrauen vs. Urmisstrauen
- Kleinkind: Autonomie vs. Scham und Zweifel
- Spielalter: Initiative vs. Schuldgefühl
- Schulalter: Werksinn (Fleiß) vs. Minderwertigkeitsgefühl
- Adoleszenz: Identität vs. Identitätsdiffusion
- Junges Erwachsenenalter: Intimität vs. Isolierung
- Mittleres Erwachsenenalter: Generativität vs. Stagnation
- Alter: Ich-Integrität vs. Verzweiflung
Robert J. Havighurst – Entwicklungsaufgaben
Jede Lebensphase stellt typische Aufgaben, die aus körperlicher Reifung, gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Zielen entstehen (bio-psycho-sozial). Wer eine Aufgabe rechtzeitig bewältigt, ist zufriedener und hat bessere Chancen bei den folgenden; Scheitern erschwert spätere Aufgaben. Besonders günstige Zeitfenster heißen sensible Perioden. Beispiele: Bindung und Laufen lernen (frühe Kindheit), Sauberkeit und Sprache (Kleinkind), Lesen, Schreiben, Rechnen und Gleichaltrigengruppe (Schulalter), Ablösung von den Eltern, Körperakzeptanz und Berufsorientierung (Jugend), Anpassung an nachlassende Kraft, Ruhestand und Verlust des Partners (Alter).
SOK-Modell (Baltes & Baltes)
Erfolgreiches Altern – und lebenslange Entwicklung überhaupt – gelingt durch drei Strategien:
- Selektion: Ziele auswählen bzw. bei Verlusten neu ordnen (elektive und verlustbasierte Selektion).
- Optimierung: vorhandene Mittel gezielt einsetzen, üben, Zeit und Energie investieren.
- Kompensation: verlorene Fähigkeiten durch neue Wege, Hilfsmittel oder fremde Hilfe ersetzen.
Beispiel: Eine 79-jährige Hobbygärtnerin bewirtschaftet nur noch zwei Hochbeete (Selektion), pflegt diese besonders sorgfältig (Optimierung) und nutzt Werkzeuge mit langen Griffen (Kompensation).
Typische Prüfungsfallen
- Assimilation und Akkommodation werden gern vertauscht: Assimilation = einordnen, Akkommodation = anpassen des Schemas.
- Erikson beschreibt Krisen als normale Wendepunkte – nicht als Krankheit.
- Das SOK-Modell bezieht sich nicht nur auf alte Menschen, sondern auf die ganze Lebensspanne.
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