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Lernzettel · Herz-Kreislauf: KHK, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz

KHK und Herzinfarkt (akutes Koronarsyndrom)

Risikofaktoren, Angina pectoris, Infarktsymptome inklusive Unterschiede bei Frauen, Sofortmaßnahmen und Pflege nach Herzkatheter.

CE 05 · Kurative Prozesse & PatientensicherheitHerz-Kreislauf: KHK, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz

Koronare Herzkrankheit (KHK)

Bei der KHK sind die Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose verengt. Es entsteht ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und -angebot des Herzmuskels (Myokardischämie).

Risikofaktoren: Rauchen, Hypertonie, Fettstoffwechselstörung (hohes LDL), Diabetes mellitus, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, familiäre Belastung, Alter, männliches Geschlecht (Frauen nach der Menopause holen auf).

Angina pectoris

  • Stabile AP: Brustenge bei Belastung, Kälte oder nach üppigem Essen; bessert sich in Ruhe oder nach Nitrogabe innerhalb weniger Minuten.
  • Instabile AP: neu aufgetreten, zunehmend häufiger/stärker oder in Ruhe – gehört zum akuten Koronarsyndrom und ist ein Notfall.

Herzinfarkt

Ein Gefäß verschließt sich meist durch einen Thrombus auf einer aufgebrochenen Plaque; der nachgeschaltete Herzmuskel stirbt ab. Unterschieden werden STEMI (ST-Hebung im EKG, kompletter Verschluss) und NSTEMI (ohne ST-Hebung, Troponin erhöht).

Symptome

  • starker, länger als 20 Minuten anhaltender Druck- oder Engeschmerz hinter dem Brustbein, der sich durch Ruhe und Nitro kaum bessert
  • Ausstrahlung in linken (auch rechten) Arm, Schulter, Hals, Unterkiefer, Rücken oder Oberbauch
  • vegetativ: kalter Schweiß, Blässe, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Todesangst
  • Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Diabetes zeigen häufiger untypische Beschwerden: Übelkeit, Oberbauch- oder Rückenschmerzen, Atemnot, ungewöhnliche Erschöpfung – bei Diabetes sind auch schmerzarme („stumme“) Infarkte möglich. Dadurch kommen Frauen oft später in die Klinik.

Diagnostik

12-Kanal-EKG innerhalb von 10 Minuten nach Erstkontakt, hochsensitives Troponin (ggf. Verlaufskontrolle), Echokardiografie, Herzkatheter (Koronarangiografie).

Sofortmaßnahmen durch Pflegende

  • Notruf bzw. Arzt/Notfallteam alarmieren, Patientin nicht allein lassen, beruhigen
  • Oberkörperhochlage, absolute Ruhe, keine Anstrengung (auch nicht aufstehen)
  • Vitalzeichen und SpO2 engmaschig, Monitoring, Defibrillator bereitstellen
  • Sauerstoff nur bei SpO2 < 90 % bzw. nach Anordnung
  • i. v.-Zugang vorbereiten; keine intramuskulären Injektionen (Lyse/Antikoagulation, Verfälschung von Laborwerten)
  • Medikamente nach Anordnung: ASS, Heparin, P2Y12-Hemmer, Opioid bei starken Schmerzen, Nitrat nur bei ausreichendem Blutdruck

Therapie

Ziel ist die schnellstmögliche Wiedereröffnung des Gefäßes, bevorzugt durch PCI (Ballondilatation mit Stent) – „Zeit ist Herzmuskel“. Alternativ Lyse oder Bypass-Operation. Danach Sekundärprävention: duale Plättchenhemmung, Statin, Betablocker, ACE-Hemmer, Lebensstiländerung, kardiologische Rehabilitation (Phase I Klinik, Phase II Reha, Phase III Wohnort, z. B. Herzsportgruppe).

Komplikationen

Kammerflimmern und andere Rhythmusstörungen (v. a. in den ersten Stunden), kardiogener Schock, akute Herzinsuffizienz/Lungenödem, Herzwandruptur, Aneurysma, Perikarditis.

Pflege nach Herzkatheter

  • Punktionsstelle (meist A. radialis, sonst A. femoralis) auf Nachblutung und Hämatom kontrollieren, Druckverband/Kompressionsarmband nach Standard
  • Durchblutung, Motorik und Sensibilität der betroffenen Extremität prüfen (Puls, Hautfarbe, Temperatur)
  • Vitalzeichen, Monitoring, Schmerzen, Beobachtung auf Rhythmusstörungen
  • bei femoralem Zugang Bettruhe nach Anordnung, Bein gestreckt halten
  • Kontrastmittel: ausreichend trinken lassen (sofern erlaubt), Nierenwerte im Blick
Merke: Brustschmerz, der länger als 20 Minuten anhält und auf Nitro nicht anspricht, gilt bis zum Beweis des Gegenteils als Herzinfarkt. Bei Frauen an untypische Symptome denken!

Typische Prüfungsfallen

  • Kein Nitro bei systolischem Blutdruck < 90 mmHg oder nach Einnahme von PDE-5-Hemmern (z. B. Sildenafil).
  • Sauerstoff routinemäßig bei normaler Sättigung bringt keinen Vorteil.
  • Patientin im Infarktverdacht nicht zu Fuß zur Untersuchung gehen lassen.
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