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Lernzettel · Arzneimittel & Medikamentenmanagement

Medikamente sicher richten und verabreichen

Applikationsformen, Pharmakokinetik in Kurzform, 6-R-Regel, Stellen und Lagern von Arzneimitteln sowie die Vorgaben des Betäubungsmittelrechts.

CE 05 · Kurative Prozesse & PatientensicherheitArzneimittel & Medikamentenmanagement

Applikationsformen

  • Enteral (über den Magen-Darm-Trakt): oral, sublingual, bukkal, rektal, über Ernährungssonde. Oral aufgenommene Wirkstoffe gelangen zuerst zur Leber und werden dort teilweise abgebaut (First-Pass-Effekt); sublingual und rektal umgehen ihn zum Teil.
  • Parenteral (unter Umgehung des Darms): intravenös (schnellster Wirkeintritt), intramuskulär, subkutan, intrakutan, intraarteriell, intrathekal/epidural.
  • Lokal bzw. topisch: auf Haut oder Schleimhaut (Salben, Augentropfen, Nasenspray, Vaginalzäpfchen), inhalativ; transdermal (Pflaster) wirkt dagegen systemisch.

LADME beschreibt den Weg eines Arzneimittels: Liberation (Freisetzung), Absorption (Aufnahme), Distribution (Verteilung), Metabolismus (Verstoffwechselung, v. a. Leber), Elimination (Ausscheidung, v. a. Niere). Die Halbwertszeit gibt an, nach welcher Zeit die Plasmakonzentration auf die Hälfte gesunken ist.

Subkutane Injektion

Geeignet für Heparine, Insulin, manche Impfstoffe. Injektionsorte: Bauchhaut (mit Abstand zum Nabel), Vorder-/Außenseite der Oberschenkel, Außenseite der Oberarme. Hautfalte bilden, je nach Nadellänge im 45°- oder 90°-Winkel einstechen, langsam injizieren, kurz warten, Nadel herausziehen. Bei Heparin-Fertigspritzen die Luftblase nicht entfernen, nicht aspirieren und die Stelle nicht massieren (Hämatome). Bei Insulin Einstichstellen innerhalb einer Region systematisch wechseln (Lipohypertrophie vermeiden).

Medikamente richten – Grundsätze

  • Grundlage ist immer die schriftliche, ärztliche Anordnung (bzw. elektronisch). Mündliche Anordnungen nur im Notfall, dann wiederholen und zeitnah ärztlich gegenzeichnen lassen.
  • Ungestört, mit sauberer Arbeitsfläche und nach Händedesinfektion richten; nicht zwischen Tür und Angel.
  • Medikamente möglichst bis zur Gabe in der Originalverpackung bzw. im Blister lassen; nur mit Bruchkerbe und Freigabe teilen. Retard- und magensaftresistente Tabletten nicht mörsern.
  • Anbruchdatum bei Tropfen, Säften, Salben, Insulin notieren; Verfallsdaten prüfen.
  • Vier-Augen-Prinzip bei Hochrisikoarzneimitteln (z. B. Insulin, Kalium-Konzentrat, Zytostatika, Opioid-Perfusoren, Kinderdosierungen).
  • Bei Unklarheiten (unleserlich, unplausible Dosis, Allergie) nicht verabreichen, sondern Rückfrage beim Arzt.

Die 6-R-Regel

  1. richtiger Patient
  2. richtiges Arzneimittel
  3. richtige Dosierung
  4. richtige Applikationsform
  5. richtiger Zeitpunkt
  6. richtige Dokumentation

Erweiterte Varianten ergänzen u. a. richtige Aufbewahrung, richtige Indikation und richtige Beobachtung von Wirkung/Nebenwirkung.

Lagerung

Arzneimittel in einem abschließbaren Schrank, für Unbefugte unzugänglich; Kühlware (z. B. Insulin-Vorrat, viele Impfstoffe) bei 2–8 °C im separaten, kontrollierten Medikamentenkühlschrank; nach dem Prinzip „first in – first out“ einsortieren. Patienteneigene Medikamente in der Langzeitpflege bewohnerbezogen beschriften.

Betäubungsmittel (BtMG/BtMVV)

  • Verordnung auf einem dreiteiligen, amtlichen BtM-Rezept bzw. im Krankenhaus auf dem BtM-Anforderungsschein.
  • Getrennt von anderen Arzneimitteln in einem gesicherten, abgeschlossenen Fach bzw. Tresor; Schlüssel trägt eine berechtigte Person.
  • Jeder Zu- und Abgang wird lückenlos und zeitnah auf amtlichen Formblättern (Karteikarten/Buch oder elektronisch) dokumentiert: Datum, Patient, Menge, Bestand, Unterschrift. Die verantwortliche Ärztin bzw. der Arzt prüft die Nachweise regelmäßig (mindestens monatlich).
  • Nicht verwendete Reste und Fehlmengen werden nachvollziehbar dokumentiert; Vernichtung unter Zeugen. Dokumentation drei Jahre aufbewahren.
  • Beispiele: Morphin, Fentanyl, Oxycodon, Hydromorphon, Buprenorphin, Methylphenidat. Tramadol unterliegt nicht dem BtMG.
Merke: Wer das Medikament verabreicht, trägt die Durchführungsverantwortung – auch, wenn eine Kollegin es gerichtet hat. Vor der Gabe deshalb immer selbst kontrollieren.

Typische Prüfungsfallen

  • Sublingual heißt unter die Zunge, bukkal in die Wangentasche.
  • Transdermale Pflaster wirken systemisch, nicht lokal.
  • Ein BtM-Bestand, der nicht stimmt, wird nicht „ausgeglichen“, sondern sofort gemeldet.
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