Lernzettel · Morbus Parkinson
Morbus Parkinson: Pflege, Sturz, Dysphagie und Beratung
Pflegeschwerpunkte bei Parkinson: Freezing-Strategien, Sturzprophylaxe, Schluckstörung, Kommunikation und Beratung von Betroffenen und Angehörigen.
Pflegeschwerpunkte im Überblick
Pflege bei Parkinson zielt darauf, Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten, Komplikationen (Sturz, Aspiration, Mangelernährung, Kontrakturen) zu vermeiden und Betroffene sowie Angehörige im Umgang mit der Erkrankung zu stärken.
Medikamentenmanagement
- Einnahmezeiten exakt einhalten (Wecker, Tablettenbox, Erinnerungs-App)
- Abstand zu eiweißreichen Mahlzeiten bei L-Dopa beachten
- Beweglichkeitsprotokoll (Parkinson-Tagebuch) führen: On-, Off-Phasen, Dyskinesien – Basis für die ärztliche Anpassung
- Aktivitäten wie Körperpflege, Essen und Therapien in die On-Phasen legen
Bewegung, Freezing und Sturzprophylaxe
- Regelmäßige Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie; großamplitudiges Bewegungstraining (z. B. LSVT-BIG), Tanzen, Tai-Chi
- Freezing überwinden: nicht ziehen oder drängen; äußere Reize (Cues) nutzen – Linien oder Klebestreifen am Boden, Laser-Rollator/Anti-Freezing-Stock, rhythmisches Zählen, Musik, Metronom; Gewicht verlagern, bewusst einen großen ersten Schritt planen
- Sturzrisiko systematisch erfassen (DNQP-Expertenstandard Sturzprophylaxe); Stolperfallen beseitigen, gute Beleuchtung, Haltegriffe, feste Schuhe, Hüftprotektoren
- Langsames Aufstehen in Etappen wegen orthostatischer Hypotonie, ausreichend trinken
- Drehen beim Gehen in großem Bogen statt auf der Stelle
Ernährung und Schlucken
- Schluckstörungen frühzeitig erkennen (Husten beim Essen, gurgelnde Stimme, lange Essdauer, Gewichtsverlust); logopädische Abklärung
- Aufrechte Sitzposition, Kinn leicht zur Brust, kleine Bissen, keine Ablenkung, Mahlzeiten in On-Phasen
- Konsistenz nach logopädischer Empfehlung anpassen, ggf. Flüssigkeit andicken
- Hilfsmittel: Besteck mit dickem Griff, rutschfeste Unterlage, Warmhalteteller, Becher mit Nasenausschnitt
- Gewicht regelmäßig kontrollieren, ballaststoffreiche Kost und Flüssigkeit gegen Obstipation; Mundpflege
Kommunikation und Psyche
Das Maskengesicht wird leicht als Desinteresse oder schlechte Laune missverstanden. Pflegende geben Zeit zum Antworten, ermutigen zu lautem Sprechen (LSVT-LOUD) und achten auf Zeichen einer Depression. Halluzinationen werden ernst genommen und ärztlich gemeldet.
Ausscheidung und Schlaf
Verstopfung ist sehr häufig: ausreichend trinken (sofern keine Einschränkung besteht), ballaststoffreiche Kost, Bewegung, feste Toilettenzeiten. Bei nächtlichem Harndrang helfen Nachtlicht, Toilettenstuhl oder Urinflasche am Bett. Schlafstörungen und nächtliche Unbeweglichkeit werden dokumentiert, da Retardpräparate oder Pflaster am Abend Abhilfe schaffen können.
Körperpflege
Bei Seborrhö milde, rückfettende Reinigung; bei starkem Schwitzen atmungsaktive Kleidung aus Naturfasern. Kleidung mit Klettverschlüssen oder großen Knöpfen erleichtert das Anziehen.
Beratung
- Krankheitsverständnis, Medikamente und Nebenwirkungen (z. B. Tagesmüdigkeit – Fahrtauglichkeit!)
- Wohnraumanpassung und Hilfsmittel; Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegegrad, Pflegeberatung nach § 7a SGB XI)
- Entlastung pflegender Angehöriger, Selbsthilfegruppen (z. B. Deutsche Parkinson Vereinigung)
- Warnzeichen einer akinetischen Krise: plötzliche Unbeweglichkeit, Schluckunfähigkeit, Fieber → sofort ärztliche Hilfe
Typische Prüfungsfallen
- Viel Speichel im Mund ist meist Folge seltenen Schluckens, nicht vermehrter Produktion.
- Ein eiweißreicher Proteinshake direkt zur L-Dopa-Gabe kann die Wirkung abschwächen.
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