Lernzettel · Niere & Harnwege
Niere: Anatomie, Urinbildung und RAAS
Aufbau der Niere und des Nephrons, die drei Schritte der Harnbildung, Hormone der Niere, RAAS, ADH und pH-Regulation.
Lage und Aufbau
Die beiden bohnenförmigen Nieren liegen retroperitoneal (hinter dem Bauchfell) links und rechts der Wirbelsäule auf Höhe des 12. Brust- bis 3. Lendenwirbels; die rechte liegt wegen der Leber etwas tiefer. Jede wiegt etwa 150 g. Im Längsschnitt erkennt man außen die Rinde, innen das Mark mit den Nierenpyramiden und das Nierenbecken, das in den Harnleiter übergeht. Über Harnleiter, Blase und Harnröhre wird der Urin ausgeschieden.
Das Nephron
Funktionelle Grundeinheit ist das Nephron – etwa eine Million pro Niere. Es besteht aus:
- Nierenkörperchen: Gefäßknäuel (Glomerulus) und umhüllende Bowman-Kapsel – hier wird filtriert.
- Tubulussystem: proximaler Tubulus, Henle-Schleife, distaler Tubulus; anschließend münden mehrere Nephrone in ein Sammelrohr.
Harnbildung in drei Schritten
- Filtration: Im Glomerulus wird ein eiweiß- und zellfreies Filtrat abgepresst – der Primärharn, etwa 180 l pro Tag. Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) beträgt beim jungen Erwachsenen ca. 120 ml/min und sinkt im Alter.
- Rückresorption: Über 99 % des Wassers sowie Glukose, Aminosäuren, Natrium, Bicarbonat u. a. werden in den Tubuli zurückgewonnen. Glukose erscheint erst im Urin, wenn der Blutzucker die Nierenschwelle (ca. 160–180 mg/dl) überschreitet.
- Sekretion: Bestimmte Stoffe (H+-Ionen, Kalium, Medikamente, Harnsäure) werden aktiv in den Tubulus abgegeben.
Ergebnis ist der Endharn: ca. 1,5 l/Tag. Harnpflichtige Substanzen wie Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure werden so ausgeschieden.
Weitere Aufgaben der Niere
- Regulation von Wasser- und Elektrolythaushalt
- Säure-Basen-Haushalt: Ausscheidung von H+-Ionen (gepuffert über Phosphat und Ammoniak), Rückgewinnung und Neubildung von Bicarbonat
- Blutdruckregulation über das RAAS
- Hormonbildung: Erythropoetin (Blutbildung), Calcitriol (aktives Vitamin D, Knochenstoffwechsel), Renin
- Glukoneogenese im Hungerzustand
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)
- Sinkt der Blutdruck bzw. die Nierendurchblutung oder der Natriumgehalt, setzt der juxtaglomeruläre Apparat Renin frei.
- Renin wandelt das in der Leber gebildete Angiotensinogen in Angiotensin I um.
- Das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE, v. a. in der Lunge) macht daraus Angiotensin II.
- Angiotensin II verengt die Gefäße, regt Durst und ADH-Ausschüttung an und veranlasst die Nebennierenrinde, Aldosteron freizusetzen.
- Aldosteron sorgt im distalen Tubulus und Sammelrohr für Natrium- und Wasserrückhalt bei gleichzeitiger Kaliumausscheidung.
Ergebnis: Blutvolumen und Blutdruck steigen. Medikamente wie ACE-Hemmer, Sartane und Aldosteronantagonisten greifen an diesem System an.
ADH
Das antidiuretische Hormon wird im Hypothalamus gebildet und aus dem Hypophysenhinterlappen freigesetzt, wenn der Körper Wasser braucht (hohe Osmolarität, Volumenmangel). Es baut Wasserkanäle im Sammelrohr ein → konzentrierter Urin, weniger Menge. Alkohol hemmt ADH – deshalb muss man nach Alkoholgenuss häufiger zur Toilette.
Typische Prüfungsfallen
- Primärharn 180 l, Endharn ca. 1,5 l pro Tag – nicht verwechseln.
- Aldosteron hält Natrium zurück, scheidet aber Kalium aus.
- Das ACE sitzt vor allem in der Lunge, nicht in der Niere.
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