Lernzettel · Pflegeprozess & Pflegedokumentation (SIS)
Pflegeprozess: Phasen, PESR und SMART-Ziele
Wie der Pflegeprozess aufgebaut ist und wie du Probleme, Ziele und Maßnahmen prüfungssicher formulierst.
Was ist der Pflegeprozess?
Der Pflegeprozess ist die systematische Arbeitsmethode professioneller Pflege. Er verbindet Problemlösung und Beziehungsgestaltung: Pflegefachpersonen erheben Informationen, leiten daraus Probleme und Ressourcen ab, vereinbaren Ziele mit der pflegebedürftigen Person, planen und führen Maßnahmen durch und prüfen deren Wirkung. Die Phasen beeinflussen sich gegenseitig und laufen als Regelkreis immer wieder ab. § 4 PflBG legt fest, dass bestimmte Aufgaben ausschließlich Pflegefachpersonen übertragen sind (vorbehaltene Tätigkeiten): den individuellen Pflegebedarf zu erheben und festzustellen, den Pflegeprozess zu organisieren, zu gestalten und zu steuern sowie die Qualität der Pflege zu analysieren, zu evaluieren, zu sichern und weiterzuentwickeln. Auszubildende und Pflegehilfskräfte dürfen an einzelnen Schritten mitwirken, die Verantwortung bleibt aber bei der Fachperson.
Modelle im Vergleich
- Vier Phasen (WHO, nach Yura/Walsh): Einschätzung – Planung – Durchführung – Evaluation. Grundlage des Strukturmodells (SIS).
- Sechs Schritte (Fiechter/Meier 1981): Informationen sammeln → Probleme und Ressourcen erkennen → Pflegeziele vereinbaren → Pflegemaßnahmen planen → Durchführung → Wirkung beurteilen (Evaluation). In der Ausbildung wird häufig mit diesem ausführlicheren Modell geplant, weil es das Denken in einzelnen Schritten schult.
Informationssammlung
Quellen sind die Person selbst (direkt), Angehörige, Vorbefunde, Arztbriefe und andere Berufsgruppen (indirekt). Man unterscheidet subjektive Daten (Aussagen, Empfinden, z. B. Schmerzangabe) und objektive Daten (messbar, beobachtbar, z. B. Blutdruck, Gewicht). Beobachtungen werden wertfrei beschrieben („Kamerablick“), Zitate der Person sind erlaubt und wertvoll. Erfasst werden immer auch Fähigkeiten, Gewohnheiten und Wünsche.
Pflegeprobleme formulieren
- Aktuelles Problem – PESR (auch PÄS-R): P = Problem, E/Ä = Einflussfaktor/Ursache, S = Symptom/Kennzeichen, R = Ressource. Beispiel: „Frau K. kann nur kurze Strecken gehen (P), bedingt durch Schmerzen im rechten Knie bei Gonarthrose (E), erkennbar daran, dass sie nach 10 m stehen bleibt und das Gesicht verzieht (S). Sie nutzt ihren Rollator sicher und ist motiviert (R).“
- Risikoproblem (potenzielles Problem): Problem + Risikofaktoren + Ressource; es gibt noch keine Symptome.
- Unterscheide generelle Probleme (betreffen fast alle in der gleichen Situation, oft im Standard geregelt) und individuelle Probleme.
Ziele nach SMART
S = spezifisch, M = messbar, A = akzeptiert/attraktiv (mit der Person ausgehandelt), R = realistisch, T = terminiert. Ziele beschreiben einen Zustand der pflegebedürftigen Person, nicht die Tätigkeit der Pflegenden. Nahziele sind Etappen, Fernziele die angestrebte Gesamtsituation. Ziele können sich auf Erhaltung, Verbesserung, Vermeidung oder Bewältigung richten.
Maßnahmen nach den W-Fragen
Wer? Was? Wann/wie oft? Wie/womit? Wo? Eine Maßnahme muss so eindeutig sein, dass jede Kollegin sie gleich durchführt.
Typische Prüfungsfallen
- Ressourcen vergessen oder zu allgemein formulieren („ist freundlich“).
- Ursache und Symptom verwechseln.
- Ziele ohne Termin oder ohne Messgröße.
- Evaluation heißt nicht nur „Ziel erreicht ja/nein“, sondern Begründung und ggf. Anpassung der Planung.
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