Lernzettel · Pflegetheorien & -modelle
Pflegetheorien: Grundlagen und Orems Selbstpflegedefizit-Theorie
Theorie, Modell, Konzept, Reichweiten, Metaparadigma – und Orems drei Teiltheorien mit Pflegesystemen.
Begriffe
- Theorie: System logisch verknüpfter Aussagen, das Phänomene der Pflege beschreibt, erklärt oder vorhersagt.
- Modell: vereinfachte, oft bildhafte Darstellung der Wirklichkeit, die eine Theorie für die Praxis nutzbar macht.
- Konzept: Baustein einer Theorie, ein klar definierter Begriff (z. B. Selbstpflege, Coping).
Reichweiten
- Große Reichweite (Globaltheorien): umfassend und abstrakt, z. B. Orem, Roper/Logan/Tierney, Krohwinkel.
- Mittlere Reichweite: enger umgrenzte Phänomene, z. B. Corbin/Strauss (chronische Krankheit), Peplau.
- Geringe Reichweite (praxisnah): konkrete Situationen, z. B. Schmerzerleben bei bestimmten Eingriffen.
Die meisten Theorien beschreiben die vier Kernbegriffe des Metaparadigmas: Mensch, Umwelt, Gesundheit, Pflege. Nach ihrem Schwerpunkt lassen sich Bedürfnis-, Interaktions- und Pflegeergebnis-Theorien unterscheiden.
Nutzen
Theorien geben Pflege ein eigenes Profil, ordnen die Informationssammlung, begründen Handeln, schaffen eine gemeinsame Sprache und liefern Fragestellungen für Forschung.
Dorothea Orem (1914–2007)
Grundannahme: Erwachsene sind normalerweise fähig und bereit, für sich selbst zu sorgen. Pflege wird nötig, wenn diese Fähigkeit nicht ausreicht.
1. Theorie der Selbstpflege
- Selbstpflege: Handlungen, die Menschen für sich ausführen, um Leben, Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten.
- Selbstpflegekompetenz: die erlernte Fähigkeit dazu. Dependenzpflege = Sorge für Abhängige (z. B. Eltern für ihr Kind, Angehörige).
- Selbstpflegeerfordernisse: universelle (Luft, Wasser, Nahrung, Ausscheidung, Aktivität/Ruhe, Alleinsein/soziale Interaktion, Schutz vor Gefahren, Normalität), entwicklungsbedingte (z. B. Pubertät, Alter), gesundheitsbedingte (durch Krankheit/Therapie, z. B. Insulin spritzen).
- Situativer Selbstpflegebedarf: Summe aller Handlungen, die aktuell nötig sind.
2. Theorie des Selbstpflegedefizits
Ein Defizit liegt vor, wenn der situative Selbstpflegebedarf größer ist als die Selbstpflegekompetenz. Erst dann ist professionelle Pflege legitimiert.
3. Theorie des Pflegesystems
- Vollständig kompensatorisch: Pflege übernimmt (z. B. beatmeter Patient).
- Teilweise kompensatorisch: Pflege und Person teilen sich die Handlungen.
- Unterstützend-edukativ (anleitend): Person handelt selbst, Pflege berät, schult, leitet an.
Fünf helfende Methoden: für jemanden handeln, führen/anleiten, körperlich oder psychisch unterstützen, eine entwicklungsfördernde Umgebung schaffen, unterrichten.
Praxisbeispiel Orem
Ein 16-jähriger Jugendlicher mit neu entdecktem Typ-1-Diabetes hat ein gesundheitsbedingtes Erfordernis (Insulintherapie) und ein entwicklungsbedingtes (Ablösung von den Eltern in der Pubertät). Anfangs übernehmen Pflegende das Spritzen teilweise, dann leiten sie an und schulen – das unterstützend-edukative System ist das Ziel. Die Eltern stärken ihre Dependenzpflegekompetenz, bis der Jugendliche selbst sicher ist.
Prüfungsfallen
- Dependenzpflege ≠ Abhängigkeit vom Pflegepersonal, sondern Pflege durch Angehörige.
- Pflegesysteme wechseln im Verlauf (z. B. postoperativ vollständig → später anleitend).
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