Lernzettel · Perioperative Pflege, Zugänge & Infusionen
Prä- und postoperative Pflege – der rote Faden
Von der Aufklärung bis zur ersten Mobilisation: Was Pflegefachpersonen vor und nach einer Operation sicherstellen und worauf Prüfungen besonders achten.
Perioperative Pflege – worum es geht
Perioperativ meint den gesamten Zeitraum rund um einen Eingriff: die Vorbereitung (präoperativ), die Zeit im OP (intraoperativ) und die Nachsorge (postoperativ). Pflegefachpersonen sind in allen drei Phasen die Schnittstelle zwischen Patient, Anästhesie, Chirurgie und Therapie. Ziel ist, dass der Mensch sicher, gut informiert und möglichst angstfrei operiert wird und sich schnell erholt (Fast-Track- bzw. ERAS-Konzepte).
Präoperative Phase
- Rechtliches: Ein Eingriff ohne wirksame Einwilligung erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung (§ 223 StGB). Die Aufklärung führt die Ärztin bzw. der Arzt mündlich und so rechtzeitig durch, dass der Patient in Ruhe entscheiden kann (§ 630e BGB) – bei planbaren Eingriffen in der Regel spätestens am Vortag. Pflege prüft, ob die unterschriebene Einwilligung vorliegt, holt sie aber nicht selbst ein.
- Information und Training: Atemübungen, Abhusten mit Wundschutz, rückenschonendes Aufstehen über die Seite und Thromboseprophylaxe schon vorher üben – nach der OP lernt es sich schlechter.
- Psychische Begleitung: Angst ist eine häufige Pflegediagnose. Zuhören, Abläufe erklären, Angehörige einbeziehen; Angst erhöht nachweislich Schmerz- und Narkosemittelbedarf.
- Nüchternheit (Erwachsene, Standardempfehlung): feste Kost bis 6 Stunden, klare Flüssigkeit (Wasser, Tee ohne Milch) bis 2 Stunden vor Narkoseeinleitung. Längeres Dursten bringt keinen Vorteil, sondern fördert Kreislaufprobleme und Unwohlsein.
- Körperpflege und Haut: Duschen am Vortag oder OP-Tag; Haare nur wenn nötig und dann mit einem Clipper unmittelbar vor dem Eingriff kürzen – Rasieren verursacht Mikroverletzungen und erhöht das Risiko einer Wundinfektion.
- Darmvorbereitung nur noch nach Anordnung bei bestimmten Darmeingriffen; routinemäßiges Abführen ist überholt.
Am OP-Tag: die Checkliste
Vor der Übergabe an den OP arbeitet die Pflegefachperson die hausinterne präoperative Checkliste ab: Identität und Patientenarmband, OP-Seite markiert, Einwilligungen (OP und Anästhesie), Nüchternheit, Allergien, aktuelle Befunde (Labor, EKG, Bildgebung, Blutgruppe/Kreuzblut), Gerinnungshemmer pausiert nach Anordnung, Prämedikation verabreicht und dokumentiert, Schmuck, Piercings, Zahnprothese, Hörgeräte, Kontaktlinsen und Nagellack entfernt, Blase entleert, medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe bzw. Prophylaxe nach Anordnung. Im OP folgt die WHO-Checkliste mit den Schritten Sign-in (vor der Narkoseeinleitung), Team-Time-out (vor dem Hautschnitt) und Sign-out (bevor der Patient den Saal verlässt).
Postoperative Phase
Nach dem Aufwachraum übernimmt die Station den Patienten nach strukturierter Übergabe (Eingriff, Narkoseart, Verlauf, Drainagen, Zugänge, Anordnungen). Danach werden engmaschig kontrolliert:
- Vitalzeichen und Bewusstsein in festgelegten, anfangs kurzen Abständen (Blutdruck, Puls, Atmung, SpO2, Temperatur)
- Schmerzen mit Skala, Wirkung der Analgetika
- Verband, Drainagen und Ausscheidungen (erste Miktion, Bilanz)
- Übelkeit und Erbrechen, Durst, Kostaufbau nach Anordnung
- Bewusstseinslage und Orientierung (Delir, besonders bei Älteren)
- Erste Mobilisation – meist am OP-Tag oder Tag 1, immer begleitet und mit Kreislaufkontrolle
Typische Narkosefolgen
- PONV (postoperative Übelkeit und Erbrechen): Risiko höher bei Frauen, Nichtrauchern, Reisekrankheit/PONV in der Vorgeschichte und Opioidgabe. Oberkörper hoch, Mundpflege, Antiemetika nach Anordnung, Aspirationsschutz.
- Auskühlung und Kältezittern, Halsschmerzen und Heiserkeit nach Intubation
- Nachwirken von Opioiden oder Muskelrelaxanzien: Atemdepression, Schläfrigkeit
- Harnverhalt, besonders nach Spinalanästhesie
- Nach rückenmarksnaher Anästhesie: Kontrolle von Motorik und Sensibilität der Beine, Blutdruckabfall, postpunktioneller Kopfschmerz
Typische Prüfungsfallen
- „Ab Mitternacht nüchtern“ ist veraltet – klare Flüssigkeit bis 2 Stunden vor Einleitung ist erlaubt.
- Rasieren ist keine sachgerechte Haarentfernung; Clipper und nur bei Bedarf.
- Die Reihenfolge der WHO-Checkliste (Sign-in → Time-out → Sign-out) wird gern abgefragt.
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