Lernzettel · Vitalzeichen, Atmung & Körpertemperatur
Puls und Blutdruck
Normwerte, Messtechnik, Fehlerquellen und Abweichungen von Puls und Blutdruck – kompakt für die Prüfung.
Puls
Der Puls ist die tastbare Druckwelle in den Arterien, die mit jeder Kontraktion der linken Herzkammer entsteht.
Normwerte in Ruhe (Schläge/min)
- Neugeborene: ca. 120–140 (bis 160)
- Säuglinge: ca. 110–130
- Kleinkinder: ca. 100–120
- Schulkinder: ca. 80–100
- Erwachsene: 60–100 (meist 60–80)
Beurteilungskriterien
- Frequenz: Tachykardie > 100/min, Bradykardie < 60/min (bei Sportlern und Älteren evtl. physiologisch).
- Rhythmus: regelmäßig oder unregelmäßig (Arrhythmie, z. B. Vorhofflimmern; Extrasystolen).
- Qualität: kräftig/hart (Hypertonie) oder schwach/weich, fadenförmig (Schock).
Messung
- Meist an der A. radialis mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger – nicht mit dem Daumen (Eigenpuls).
- Regelmäßiger Puls: 15 s zählen × 4; unregelmäßiger Puls: volle 60 s.
- Weitere Stellen: A. carotis (nie beidseitig gleichzeitig, sanft – Vagusreiz), A. femoralis, A. brachialis (Säugling), A. dorsalis pedis und A. tibialis posterior (Durchblutungskontrolle der Beine), A. temporalis.
- Pulsdefizit: Differenz zwischen auskultierter Herzfrequenz und getastetem Puls (z. B. bei Vorhofflimmern) – zwei Personen messen gleichzeitig.
Blutdruck
Druck des Blutes auf die Gefäßwände. Systolisch = höchster Druck während der Austreibung, diastolisch = niedrigster Druck in der Erschlaffungsphase. Einheit mmHg.
Bewertung beim Erwachsenen (Praxismessung)
- optimal: < 120/80 mmHg; normal bis hochnormal: bis 139/89 mmHg
- Hypertonie: ab 140/90 mmHg (Grad 1 bis 159/99, Grad 2 bis 179/109, Grad 3 ≥ 180/110)
- Hypotonie: systolisch < 100–105 mmHg (mit Beschwerden)
- Kinder haben niedrigere Werte (Neugeborene ca. 65/45, Säuglinge ca. 80/50 mmHg).
Indirekte Messung nach Riva-Rocci
- Person sitzt oder liegt mehrere Minuten ruhig, Arm auf Herzhöhe, keine einengende Kleidung.
- Manschette in passender Größe (Gummiteil umfasst ca. 80 % des Oberarms), Unterrand ca. 2–3 cm über der Ellenbeuge.
- Radialispuls tasten, aufpumpen bis zu seinem Verschwinden und dann ca. 30 mmHg höher.
- Stethoskop über der A. brachialis, Druck langsam (2–3 mmHg pro Sekunde) ablassen.
- Erster Ton (Korotkow-Geräusch) = systolischer Wert, Verschwinden der Töne = diastolischer Wert.
- Bei der Erstmessung an beiden Armen messen; künftig am Arm mit dem höheren Wert.
Nicht messen an
Arm mit Dialyseshunt, Infusion/Zugang, nach Lymphknotenentfernung in der Achsel (z. B. Mamma-Ca), mit Lähmung, Verletzung oder Lymphödem.
Fehlerquellen
- zu kleine Manschette → falsch hohe Werte; zu große → falsch niedrige
- Arm unter Herzhöhe → zu hoch; über Herzhöhe → zu niedrig
- zu schnelles Ablassen → systolisch zu niedrig ablesen
- Messung direkt nach Belastung, Rauchen, Kaffee, Gespräch
- „Weißkittelhypertonie“ durch Aufregung
Mittlerer arterieller Druck (MAD) ≈ diastolisch + 1/3 × (systolisch − diastolisch); für die Organdurchblutung sollte er über ca. 65 mmHg liegen.
Typische Prüfungsfallen
- Den Puls nie mit dem Daumen tasten.
- Bei Vorhofflimmern ist die automatische Messung oft unzuverlässig.
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