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Lernzettel · Selbstpflege & Belastung Pflegender

Stress: Lazarus, Selye und Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Wie Stress entsteht und bewertet wird: das transaktionale Stressmodell nach Lazarus, das Adaptationssyndrom nach Selye und das Vulnerabilitäts-Stress-Modell.

CE 03 · Kommunikation & ReflexionSelbstpflege & Belastung Pflegender

Was ist Stress?

Stress beschreibt die körperliche und psychische Reaktion auf Anforderungen (Stressoren), die als belastend erlebt werden. Kurzfristig mobilisiert Stress Energie (Eustress kann leistungsfördernd sein), dauerhafter Distress ohne Erholung macht krank.

Physiologie: Allgemeines Adaptationssyndrom (Hans Selye)

  • Alarmreaktion: Sympathikus, Adrenalin/Noradrenalin, Puls und Blutdruck steigen, Energie wird bereitgestellt (Kampf oder Flucht).
  • Widerstandsphase: Cortisol hält die Anpassung aufrecht; der Körper versucht, sich an die Dauerbelastung anzupassen.
  • Erschöpfungsphase: Ressourcen sind aufgebraucht – Infektanfälligkeit, Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Depression.

Transaktionales Stressmodell (Richard Lazarus)

Nicht der Reiz selbst, sondern seine Bewertung entscheidet, ob Stress entsteht. Person und Umwelt stehen in Wechselwirkung (Transaktion).

  • Primäre Bewertung: Ist die Situation für mich irrelevant, positiv oder stressrelevant? Stressrelevant bedeutet: Schaden/Verlust, Bedrohung oder Herausforderung.
  • Sekundäre Bewertung: Welche Ressourcen habe ich, um die Situation zu bewältigen (Wissen, Erfahrung, soziale Unterstützung, Zeit)?
  • Bewältigung (Coping): problemorientiert (Situation verändern, z. B. Hilfe holen, planen) oder emotionsorientiert (eigene Gefühle regulieren, z. B. Entspannung, Umdeuten, Sport). Auch bewertungsorientiertes Coping (Situation neu einschätzen).
  • Neubewertung (Reappraisal): Nach dem Bewältigungsversuch wird die Situation erneut eingeschätzt – Lernen für künftige Situationen.

Beispiel: Zwei Auszubildende erleben denselben Notfall. Die eine sieht eine Herausforderung und vertraut auf ihr Reanimationstraining, die andere fühlt sich bedroht, weil sie sich unsicher fühlt.

Vulnerabilitäts-Stress-Modell (Zubin & Spring)

Psychische Erkrankungen entstehen aus dem Zusammenwirken einer individuellen Verletzlichkeit (genetisch, biografisch, biologisch) und Stressoren (Lebensereignisse, Daueranforderungen). Wird eine persönliche Belastungsschwelle überschritten, kann eine Erkrankung (z. B. Psychose, Depression) ausbrechen. Schutzfaktoren (Bewältigungsfähigkeiten, soziales Netz, Medikamente) heben die Schwelle. Bedeutung: Erklärung psychischer Krisen, Rückfallprophylaxe, Psychoedukation.

Merke: Lazarus = Bewertung entscheidet (primär → sekundär → Coping → Neubewertung). Selye = körperliche Phasen (Alarm → Widerstand → Erschöpfung).

Typische Prüfungsfallen

  • Bei Lazarus ist die sekundäre Bewertung keine „zweite Meinung“, sondern die Einschätzung der eigenen Ressourcen.
  • Emotionsorientiertes Coping ist nicht schlechter als problemorientiertes – sinnvoll ist die situativ passende Kombination.
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