Lernzettel · Gefäße: Hypertonie, AVK, Thrombose
Arterielle Hypertonie
Grenzwerte, Ursachen, Folgeschäden, korrekte Blutdruckmessung, Therapie und hypertensiver Notfall.
Definition
Von einer arteriellen Hypertonie spricht man, wenn der in der Praxis gemessene Blutdruck wiederholt bei ≥ 140/90 mmHg liegt. Bei Selbstmessung zu Hause bzw. im 24-Stunden-Mittel gelten niedrigere Grenzen (etwa ≥ 135/85 bzw. ≥ 130/80 mmHg). Werte zwischen 120/70 und 139/89 mmHg gelten nach aktueller europäischer Leitlinie als „erhöht“ und sollten beobachtet werden. Rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland ist betroffen, viele wissen nichts davon.
Formen und Ursachen
- Primäre (essenzielle) Hypertonie – ca. 90 %: keine einzelne Ursache; begünstigt durch Übergewicht, Salz, Bewegungsmangel, Alkohol, Rauchen, Stress, Vererbung, Alter.
- Sekundäre Hypertonie: Folge einer anderen Erkrankung, z. B. Nierenerkrankungen, Nierenarterienstenose, Hyperaldosteronismus, Phäochromozytom, Schilddrüsenüberfunktion, Schlafapnoe, Medikamente (Kortison, NSAR, „Pille“), Schwangerschaft.
Symptome und Folgen
Lange Zeit symptomlos („stiller Killer“). Mögliche Zeichen: Kopfschmerzen am Morgen, Schwindel, Nasenbluten, Ohrensausen, Sehstörungen. Langfristig schädigt der hohe Druck die Gefäße und Organe:
- Herz: Linksherzhypertrophie, KHK, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern
- Gehirn: Schlaganfall, Hirnblutung, vaskuläre Demenz
- Niere: hypertensive Nephropathie bis zur Niereninsuffizienz
- Augen: hypertensive Retinopathie
- Gefäße: Arteriosklerose, pAVK, Aortenaneurysma
Richtig Blutdruck messen
- 3–5 Minuten Ruhe im Sitzen, Rücken angelehnt, Beine nicht übereinandergeschlagen, nicht sprechen
- Manschette in passender Größe, auf Herzhöhe, am unbekleideten Oberarm
- bei Erstmessung an beiden Armen messen, danach am Arm mit dem höheren Wert
- mehrere Messungen, Ergebnis mit Uhrzeit dokumentieren; nicht am Arm mit Dialyseshunt, Lymphödem oder nach Brust-OP mit Lymphknotenentfernung
Therapie
- Lebensstil: Gewichtsreduktion, Kochsalz unter ca. 5 g/Tag, viel Gemüse und Obst (DASH-/mediterrane Kost), regelmäßige Ausdauerbewegung, Alkohol reduzieren, Rauchstopp, Stressabbau.
- Medikamente (meist Kombination): ACE-Hemmer oder Sartane, Kalziumantagonisten (z. B. Amlodipin – Nebenwirkung Knöchelödeme), Thiaziddiuretika; Betablocker bei zusätzlicher Indikation (KHK, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörung).
- Zielwert für die meisten Behandelten: systolisch 120–129 mmHg, sofern gut vertragen; bei sehr alten oder gebrechlichen Menschen individuell höher.
Hypertensive Entgleisung
- Hypertensive Krise/Dringlichkeit: stark erhöhte Werte (etwa > 180/120 mmHg) ohne Organschäden – langsame Senkung über Stunden, oral.
- Hypertensiver Notfall: zusätzlich akute Organschäden wie Brustschmerz, Atemnot/Lungenödem, neurologische Ausfälle, Sehstörungen – sofortige Notfallbehandlung, kontrollierte Senkung (nicht schlagartig, sonst Minderdurchblutung von Gehirn und Herz).
- Pflege: Arzt informieren, Oberkörperhochlage, Ruhe, engmaschige RR-Kontrolle, Neurostatus, Medikamente nach Anordnung.
Pflegeschwerpunkte
- Blutdruckselbstmessung schulen, Tagebuch führen lassen
- Adhärenz fördern: Einnahme auch ohne Beschwerden, Nebenwirkungen besprechen
- orthostatische Reaktionen bei Therapiebeginn (Schwindel, Sturzgefahr) beobachten
- Gesundheitsberatung zu Ernährung, Bewegung, Rauchstopp
Typische Prüfungsfallen
- Fehlende Beschwerden sind kein Grund, Blutdruckmedikamente abzusetzen.
- Ein hypertensiver Notfall wird nicht „so schnell wie möglich auf normal“ gesenkt.
- Kalziumantagonisten verursachen Knöchelödeme, die nicht auf Herzinsuffizienz beruhen müssen.
Bestehe dein Examen mit Pflege1Plus
Dieser Lernzettel ist erst der Anfang. Auf pflege1plus.de wartet:
- über 1.500 Prüfungsfragen zu allen 11 curricularen Einheiten – mit Musterlösung und Bewertungsraster
- Fallprüfungen und Probeexamen (120 Minuten) wie in der echten schriftlichen Prüfung
- Training für die mündliche und praktische Prüfung, Fehlertrainer und persönlicher Lernplan
© Pflege1Plus · pflege1plus.de – Lernzettel zur Prüfungsvorbereitung, nur für den persönlichen Gebrauch. Ersetzt keinen Unterricht und keine ärztliche Anordnung.