Zum Inhalt springen

Blutdruck-Normwerte nach Alter: Tabelle für Kinder, Erwachsene und Senioren

Der normale Blutdruck hängt vor allem im Kindesalter stark vom Alter ab: Neugeborene haben systolisch etwa 60–80 mmHg, Schulkinder 90–120 mmHg und Jugendliche 100–130 mmHg. Für Erwachsene gilt unabhängig vom Alter ein Blutdruck unter 140/90 mmHg als nicht erhöht, optimal sind Werte unter 120/80 mmHg. Die alte Regel „100 plus Lebensalter“ ist überholt – auch bei 80-Jährigen beginnt die Hypertonie bei 140/90 mmHg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinder: Je jünger, desto niedriger der Blutdruck. Bewertet wird bei Kindern ärztlich mit Perzentilen nach Alter, Geschlecht und Größe.
  • Erwachsene: Hypertonie ab 140/90 mmHg in der Praxismessung, bei Selbstmessung zu Hause ab 135/85 mmHg.
  • Ältere Menschen: Der systolische Wert steigt oft, der diastolische sinkt. Zielwerte für die Behandlung werden individuell festgelegt.
  • Orthostatische Hypotonie: Abfall um mindestens 20 mmHg systolisch oder 10 mmHg diastolisch innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen – ein wichtiger Sturzrisikofaktor.
  • Referenzwerte unterscheiden sich je nach Leitlinie und Lehrbuch leicht. Maßgeblich ist der Standard deines Hauses.

Welcher Blutdruck ist in welchem Alter normal?

Die Tabelle zeigt übliche Lehrbuch-Richtwerte für Menschen in Ruhe. Bei Kindern beziehen sie sich auf wache, ruhige Kinder. Weitere Vitalzeichen und Laborwerte findest du gesammelt in der Normwerte-Tabelle für die Pflege.

Altersgruppe Blutdruck (Richtwert) Was du wissen solltest
Neugeborene (bis 4 Wochen) systolisch 60–80 mmHg Messung nur mit passender Neugeborenen-Manschette
Säuglinge (1–12 Monate) systolisch 70–100 mmHg Unruhe und Schreien erhöhen den Wert deutlich
Kleinkinder (1–5 Jahre) systolisch 80–110 mmHg Faustregel Mindestwert: 70 + 2 × Alter
Schulkinder (6–12 Jahre) systolisch 90–120 mmHg Bewertung ärztlich nach Perzentilen
Jugendliche (13–18 Jahre) systolisch 100–130 mmHg ab 16 Jahren meist Erwachsenen-Grenzwerte
Erwachsene unter 140/90 mmHg, optimal unter 120/80 mmHg Hypotonie meist unter 100/60 mmHg
Ältere Menschen (ab etwa 65 Jahren) Grenze ebenfalls 140/90 mmHg Zielwerte individuell, auf Orthostase achten
Blutdruck-Normwerte nach Alter: systolische Richtwerte von Neugeborenen (60–80 mmHg) bis Jugendlichen (100–130 mmHg) und Erwachsenen unter 140 mmHg
Der systolische Blutdruck steigt im Kindesalter deutlich an. Ab dem Erwachsenenalter gilt unabhängig vom Alter: Hypertonie ab 140/90 mmHg.

Welcher Blutdruck ist bei Kindern normal?

Kinder haben einen niedrigeren Blutdruck als Erwachsene, und er steigt mit dem Wachstum an. Weil Größe und Geschlecht eine Rolle spielen, bewerten Kinderärztinnen und -ärzte den Blutdruck mit Perzentilenkurven. Liegt ein Wert wiederholt auf oder über der 95. Perzentile für Alter, Geschlecht und Größe, spricht man von Hypertonie. Ab etwa 16 Jahren gelten in der Regel die Grenzwerte für Erwachsene.

Für dich als Pflegefachperson sind zwei Dinge besonders wichtig:

  • Kinder halten ihren Blutdruck lange stabil. Bei Volumenmangel oder Sepsis steigt zuerst der Puls. Ein Blutdruckabfall ist ein spätes und ernstes Zeichen. Als Faustregel für den niedrigsten akzeptablen systolischen Wert bei Kindern von 1 bis 10 Jahren gilt 70 + 2 × Alter in Jahren – bei einem fünfjährigen Kind also 80 mmHg.
  • Die Manschette entscheidet. Zu kleine Manschetten messen falsch hohe, zu große falsch niedrige Werte. Die Breite der Gummiblase sollte etwa 40 % des Oberarmumfangs betragen.

Puls, Atemfrequenz und Temperatur nach Altersgruppen findest du im Ratgeber Vitalwerte bei Kindern: Normwerte-Tabelle.

Welche Blutdruckwerte gelten bei Erwachsenen?

In Deutschland wird häufig die Einteilung der Europäischen Hypertonie-Gesellschaft (ESH) genutzt:

Kategorie Systolisch (mmHg) Diastolisch (mmHg)
Optimal unter 120 und unter 80
Normal 120–129 und/oder 80–84
Hochnormal 130–139 und/oder 85–89
Hypertonie Grad 1 140–159 und/oder 90–99
Hypertonie Grad 2 160–179 und/oder 100–109
Hypertonie Grad 3 ab 180 und/oder ab 110

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) nutzt seit 2024 eine vereinfachte Einteilung, die Grenze zur Hypertonie liegt aber auch dort bei 140/90 mmHg. Bei der Selbstmessung zu Hause gelten niedrigere Grenzen: Ein Mittelwert ab 135/85 mmHg spricht für eine Hypertonie. Welche Einteilung deine Schule verwendet, erfährst du im Unterricht.

Welcher Blutdruck ist im Alter normal?

Mit den Jahren werden die großen Arterien steifer. Dadurch steigt der systolische Wert, während der diastolische eher gleich bleibt oder sinkt. Viele ältere Menschen haben deshalb eine isolierte systolische Hypertonie, zum Beispiel 160/75 mmHg. Häufig ist das, normal ist es nicht – die Grenze von 140/90 mmHg gilt auch im Alter.

Mythos „100 plus Lebensalter“: Diese alte Faustregel würde einem 80-Jährigen 180 mmHg als normal zugestehen. Das ist nach heutigem Wissen falsch und gefährlich. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck erhöht in jedem Alter das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzinsuffizienz.

Etwas anderes sind die Behandlungsziele: Bei älteren und gebrechlichen Menschen legt das ärztliche Team die Zielwerte individuell fest – oft etwas weniger streng, weil eine zu starke Senkung Schwindel, Verwirrtheit und Stürze verursachen kann. Deine Beobachtung ist dabei wichtig: Wie verträgt der Mensch die Medikamente?

Was ist eine orthostatische Hypotonie?

Von einer orthostatischen Hypotonie spricht man, wenn der Blutdruck innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen um mindestens 20 mmHg systolisch oder 10 mmHg diastolisch abfällt. Typisch sind Schwindel, Schwarzwerden vor Augen und Unsicherheit beim Gehen. Zur Messung misst du im Liegen nach einigen Minuten Ruhe und dann nach 1 und 3 Minuten im Stehen. Das Sturzrisiko steigt dadurch erheblich – wie du es einschätzt, erklärt der Ratgeber Expertenstandard Sturzprophylaxe.

Wie misst du den Blutdruck richtig?

Ein Normwert hilft nur, wenn die Messung stimmt. Diese Punkte gelten in jedem Alter:

  • Vor der Messung einige Minuten Ruhe, sitzend mit angelehntem Rücken oder liegend, Beine nicht übereinandergeschlagen.
  • Oberarm frei, Manschette auf Herzhöhe, Größe passend zum Armumfang.
  • Während der Messung nicht sprechen – das allein kann den Wert erhöhen.
  • Bei der Erstmessung an beiden Armen messen und danach den Arm mit dem höheren Wert verwenden.
  • Nicht am Arm mit Shunt, Infusion oder nach Lymphknotenentfernung messen.

Mini-Fall: Frau H., 82 Jahre

Frau H. ist wegen einer Exsikkose aufgenommen worden und nimmt zwei Blutdruckmedikamente. Im Liegen misst du 158/72 mmHg. Als sie zur Toilette will, wird ihr schwindelig. Nach 3 Minuten im Stehen misst du 128/68 mmHg.

Einschätzung: Im Liegen zeigt sie eine isolierte systolische Hypertonie, im Stehen fällt der systolische Wert um 30 mmHg ab – das erfüllt die Kriterien einer orthostatischen Hypotonie. Flüssigkeitsmangel und Medikamente können beides verstärken. Du begleitest Frau H. zurück ins Bett, informierst die Ärztin mit beiden Messwerten, führst die Bilanz und planst Maßnahmen gegen Stürze: langsames Aufstehen in Etappen, Begleitung, rutschfeste Schuhe. Solche Situationen kannst du in den Fallbeispielen auf Pflege1Plus Schritt für Schritt durcharbeiten.

Wann musst du beim Blutdruck den Arzt informieren?

Ein einzelner erhöhter Wert nach dem Treppensteigen ist kein Notfall. Miss nach einigen Minuten Ruhe erneut und vergleiche mit dem bisherigen Verlauf. Sofort ärztlich informieren solltest du bei:

  • Werten ab etwa 180/110 mmHg mit Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot, starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Verwirrtheit oder neurologischen Ausfällen – dann kann ein hypertensiver Notfall vorliegen. Hinter Lähmungen oder Sprachstörungen kann ein Schlaganfall stecken, siehe Schlaganfall: Pflege.
  • einem systolischen Wert von 90 mmHg oder weniger, einem plötzlichen deutlichen Abfall gegenüber dem Ausgangswert oder einer Hypotonie mit Schwindel, Blässe, Kaltschweißigkeit oder Bewusstseinsveränderung.
  • Kindern, deren systolischer Wert unter der Faustregel 70 + 2 × Alter liegt oder deren Werte mit Krankheitszeichen deutlich vom Altersbereich abweichen.
  • Schwangeren mit Werten ab 140/90 mmHg, besonders zusammen mit Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Oberbauchschmerzen.

Erhöhte Werte ohne Beschwerden meldest du nach den Vorgaben deines Hauses, damit die Therapie angepasst werden kann. Nutze für die Meldung das SBAR-Schema und nenne immer auch den Verlauf. Wie diese Einschätzung im Examen geprüft wird, kannst du in der Prüfungssimulation unter Zeitdruck testen – weitere Vitalzeichen und Frühwarnscores erklärt der Pillar-Artikel Vitalzeichen und Laborwerte: Normwerte-Tabelle für die Pflege.

Normwerte im Fall sicher anwenden

Mit einem kostenlosen Pflege1Plus-Konto übst du Prüfungsfragen und Fallbeispiele, in denen Blutdruck und andere Vitalzeichen eingeschätzt werden – mit Erklärung zu jeder Lösung.

Kostenlos registrieren

Häufige Fragen

Welcher Blutdruck ist in welchem Alter normal?

Bei Kindern steigt der normale systolische Blutdruck von etwa 60–80 mmHg bei Neugeborenen auf 100–130 mmHg bei Jugendlichen. Für Erwachsene jeden Alters gilt ein Wert unter 140/90 mmHg als nicht erhöht, optimal ist unter 120/80 mmHg. Das sind Lehrbuch-Richtwerte, die je nach Quelle leicht abweichen.

Ist ein höherer Blutdruck im Alter normal?

Er ist häufig, aber nicht normal. Auch bei älteren Menschen beginnt die Hypertonie bei 140/90 mmHg. Die Behandlungsziele werden im Alter allerdings individuell festgelegt, um Schwindel und Stürze zu vermeiden.

Gilt die Regel 100 plus Lebensalter noch?

Nein, die Regel ist überholt. Sie würde zum Beispiel einem 80-Jährigen 180 mmHg als normal zugestehen, obwohl dauerhaft so hohe Werte das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt deutlich erhöhen.

Welcher Blutdruck ist bei Kindern zu niedrig?

Als Faustregel für Kinder von 1 bis 10 Jahren gilt ein systolischer Wert unter 70 + 2 × Alter in Jahren als zu niedrig, bei einem Vierjährigen also unter 78 mmHg. Weil Kinder ihren Blutdruck lange stabil halten, ist ein Abfall ein spätes Warnzeichen. Dann informierst du sofort ärztlich.

Ab wann ist der Blutdruck gefährlich hoch?

Werte ab etwa 180/110 mmHg gelten als sehr hoch. Kommen Brustschmerz, Atemnot, starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder neurologische Ausfälle dazu, ist das ein Notfall. Ohne Beschwerden misst du nach Ruhe erneut und informierst nach Hausstandard.

Was zählt als orthostatische Hypotonie?

Ein Abfall des Blutdrucks um mindestens 20 mmHg systolisch oder 10 mmHg diastolisch innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen. Typisch sind Schwindel und Schwarzwerden vor Augen. Weil das Sturzrisiko steigt, gehört der Befund in die Pflegeplanung.

Muss ich die Blutdruckwerte nach Alter fürs Examen auswendig können?

Die Werte für Erwachsene und die ESH-Grenzen solltest du sicher können, bei Kindern reicht meist die Größenordnung und die Grundregel, dass der Blutdruck mit dem Alter steigt. Wichtiger ist, Werte im Fall richtig einzuschätzen. Das kannst du mit den Fallbeispielen auf Pflege1Plus üben.

Quellen & weiterführende Informationen

Stand: Oktober 2026. Maßgeblich sind immer die aktuellen Vorgaben deiner Pflegeschule und deines Bundeslandes.